Ausstellungen: Berlin · S. 283
Ausstellungen: Berlin , 1986

Thomas Wulffen

Joseph Kosuth

Gal. Anselm Dreher, Berlin,
19.9.-31. W. 1986

Im landläufigen Sinne ist es Aufgabe des Kritikers, hinter der zeitgenössischen Kunstproduktion deren sie tragende Ideologeme darzustellen. Die können aus dem Werk entnommen werden oder sie werden an dieses herangetragen, ohne die Berechtigung dafür verantworten zu müssen. Es gab Zeiten, in denen sich die Kritik einer Meta-Kritik von Seiten der Künstler hat stellen müssen. Der Entdeckung der neuen Malerei folgte in der Nachhut eine Kritik, die sich wieder selbstbewußt auf ihr eigenes Schild stellen konnte, ohne in Gefahr zu kommen, in eine wacklige Position zu geraten. Mittlerweile aber deuten die Auseinandersetzungen zwischen amerikanischen und europäischen Kritikern auf eine erneute Infragestellung der Funktion von Kritik hin, die deren Selbstverständnis und Funktion mal wieder zur Disposition stellt.

Anlaß zu solchen Überlegungen gibt eine Ausstellung von Joseph Kosuth in der Galerie Anselm Dreher. Auf die Rolle von Joseph Kosuth als Metakritiker in der konzeptuellen Bewegung der siebziger Jahre braucht hier nicht eingegangen zu werden, weil sie nur noch bedingt und vermittelt Bestandteil seiner heutigen Arbeit ist. Spätestens seit ‚Zero & Not‘ hat Joseph Kosuth den Raum der Kunst über Kunst verlassen, wie er noch im Zyklus ‚Cathexis‘ präsent war. Das Verfahren in ‚Zero & Not‘ hat er nach der Premiere in Stuttgart an mehreren Plätzen wiederholt, zuletzt in den ‚Chambres d’amis‘ in Gent, wo der Text, bewußt ausgewählt aus Freuds ‚Psychopathologie des Alltagslebens‘ Bezug nahm auf den Ort und die Situation, die Praxis eines Psychoanalytikers. Der Bezug von Text und Raum, die Dichotomie von Ab- und…

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