Ausstellungen: Calais , 1986

Rosi Huhn

Jochen Gerz

»Strategien der Verweigerung« Musée des Beaux-Arts, Calais,
7.7.-8.9.1986
Musée des Beaux-Arts, Chartres,
8.11.86-10.1.87 Galerie de l Ancienne Poste, Calais

Calais bot im Sommer ’86 ein Kunstereignis mit gleich zwei Ausstellungen von Werken des in Paris lebenden deutschen Künstlers Jochen Gerz. Gerz provozierte mit einem Kontrastprogramm: mit Bildverweigerung in den »Bildern einer Ausstellung« (Galerie de l’Ancienne Poste) und mit Fotos und Geschichten kombinierenden, Bildgeschichten jedoch vermeidenden »Arbeiten auf Fotopapier 1983-86« (Musée des Beaux-Arts de Calais: vom 8.11.86 bis 10. l. 87 auch im Musée des Beaux-Arts in Chartres zu sehen).

Dem Besucher der »Bilder einer Ausstellung« verweigerten nicht nur die am Boden gegen die Wand gelehnten »Bilder« ein »Eindringen« – auf dem jeweils bildleeren, weißen Grund teilten sie mit: »sieh mich nicht an«, »bleib mir fern«, etc. -, ihm wurde auch der Zugang zur Ausstellung verwehrt. Zwischen einer großen Eingangstür und der durch Glaswände und -türen abgetrennten Galerie mußte die Trennung von Straßenalltag und Kunstraum, Konsumations- und Meditationssphäre, Kunst und Wirklichkeit ertragen werden. Einzig eine Tonbandaufzeichnung der »Bilder einer Ausstellung« Mussorgskis, in die sich Straßengeräusche und Besucherkommentare von außen mischten, überwandt im »Zwischenraum« die Trennschwelle von Drinnen und Draußen akustisch, irritierte bzw. »ersetzte« die Seharbeit und verdeutlichte so die Wahrnehmungsdifferenz von Sehen und Hören. Dem Zusammenklang mißtrauend, erteilte Gerz der potentiellen Verführung und Verführbarkeit der Sinne, insbesondere des Auges, vor allem aber Simul-tanität und Synästhesie eine Absage. Der auf Bildhaftigkeit zielenden Musik – Mussorgskis »tableaux« schildern Geschichten der russischen Mythologie, als Stationen von »promenades« – ist die Verweigerung des Narrativen…

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