Monografie , 1986

Heinz Thiel

Lambert Maria Wintersberger

Vor zwanzig Jahren wurde er. wohlwollend und zustimmend, als „Modemaler“ charakterisiert, heute würde ihn gar mancher gern als ‚modischen Maler‘ abtun. Im ersten schmalen Katalog, anläßlich der zweiten Einzelpräsentation (Bei Tobies & Silex in Köln und im Haus am Lützowplatz in Berlin) griff Heinz Ohff zu Superlativen bei seiner Formulierung: „Lambert Maria Wintersberger ist einer der originärsten und originellsten Pop-Artisten, die Deutschland bislang hervorgebracht hat.“ Und Manfred de la Motte assistiert im gleichen Katalog doppeldeutig, aber in gleicher Weise persönlich überzeugt: „L.M. Wintersberger ist ein Modemaler. Wie bitte? Ganz recht, denn ich sehe nicht ein, wieso das Wort in diesem Fall seinen Schimpfwort-Charakter beibehalten soll. Denn warum darf ein junger Maler heute nicht sich die bislang ungenutzte Modewelt zur Verarbeitung zurüsten? Und warum sollte ein Maler nicht insofern ‚mit der Mode‘ gehen, als er mit künstlerischen Aktualitäten befaßt ist, also auch stilistisch richtig liegt?“

In diesen beiden Textpassagen sind Stichwörter vorgeprägt, die auch heute noch auf das Werk von Lambert Maria Wintersberger zutreffen: es ist nach wie vor ‚originär‘ und ‚originell‘, es steht immer noch in der ‚künstlerischen Aktualität‘ und geht zu einem gewissen Teil auch ‚mit der Mode‘. Doch heute sieht man, mit dem Blick auf ein zwanzigjähriges Ouvre, deutlicher, daß solche Charakterisierungen nicht wörtlich und direkt zu verstehen sind, sondern vielmehr aus ihren Grauzonen und Doppelbödigkeiten heraus. Wintersberger war immer so eigenständig – und eigenwillig -, daß er in ‚Mode-Schubladen‘ gar nicht und in ‚Aktualitäts-Schubladen‘ nur mit deutlichen Amputationen paßte.

Für einen Zeitraum von fünf Jahren, von…

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