Monografie · von Christoph Schenker · S. 236
Monografie , 1986

Christoph Schenker

Aldo Walker

1) Die Abenteuer, in welche Aldo Walkers Werke einen hineinziehen, sind mannigfaltig. Diese Ereignisse der Wahrnehmung und des Denkens zu beschreiben ist in doppelter Hinsicht ein gewagtes, vielleicht gar unangebrachtes Unternehmen: l. weil man sich im Beschreiben mit vorgeprägten Vorstellungen auszuhelfen genötigt sieht, die auf Erfahrungen beruhen und die somit den Blick auf die neuen Bilder verdecken (z. B. mit der Analogie des Raumes, wo es sich um Nicht-Räumliches handelt); 2. weil man darin etwas sprachlich erfassen will, was sich möglicherweise grundsätzlich der Wortsprache entzieht – obwohl Walkers Werke selbst sich in radikaler Weise auf einen philosophischen Diskurs beziehen, und zumindest ihre Genesis also wortsprachlich geprägt ist.

2) Erster Exkurs: Durch Übereinanderschichtung verschiedener Erzählebenen in Ludwig Ticks »Der blonde Eckbert« (1797), deren letzte (oberste) Erzählebene die erste (unterste) begründet, entsteht ein geschlossenes System, in dem der Begriff der Zeit aufgehoben wird, der Kausalzusammenhang (A(r)B) sich als letztlich nur moralisches Prinzip entblößt und die Identität der literarischen Figuren zerfällt. In Novalis‘ »Hymnen an die Nacht« und »Heinrich von Ofterdingen« (1800) wird diese Strategie in verwickelter und verborgener Form weitergeführt, indem den zerstörten Verhältnissen neue aufgesetzt werden: fremdartige Raum-und Zeitverhältnisse, ein umgekehrter Kausalzusammenhang (B^A) und die fließende Metamorphose des Protagonisten (Aufgabe der Identität). Es sind dies neuartige Beziehungen, wie sie nur in einer geschlossenen künstlerischen Form verwirklicht werden können. Die philosophisch-diskursive Entsprechung dazu entwickelte Johann Gottlieb Fichte im in seiner Wissenschaftslehre von 1794 dargestellten zyklischen System, das im ursprünglichen, identischen Ich seinen Anfang nimmt und über den Verlust dessen Identität, der…

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