Titel: Postmoderne Seele und Geometrie , 1986

Teil I: Theoretischer Überblick

Wenn wir im folgenden auf die inhaltliche Seite der „Neuen Geometrie“ zu sprechen kommen, so stellt sich zunächst die Frage nach eventuellen geistigen und formalen Ansätzen, die in der Geschichte der Abstraktion im 20. Jahrhundert oder in aktuellen Kontexten des Kunstgeschehens heute zu suchen sind. Es lassen sich da zunächst grob drei Bezugsfelder zu Positionen in der näheren und weiteren Kunstgeschichte anführen:

Klassische Moderne – Konzeptionalismus – „Jugend-Geometrie“.

Eine erste Perspektive führt uns zur Frage nach der Bedeutung der Kunst der siebziger Jahre mit ihrer im Modernismus ansetzenden Programmatik des Reduktionismus und Minimalismus, der Rationalisierung und Objektivierung von Wahrnehmungsbedingungen durch dialektische Bildstrategien, oder die Konzeptionalisierung des „Systems Kunst“ als Teilbereich innerhalb des „Gesamtsystems Gesellschaft“. Tatsächlich signalisieren Phänomene wie der „Neo-Post-Konzeptualismus“ aus den USA oder der Monochromismus vor allem bei deutschen Künstlern (Gerhard Merz, aber auch Günther Förg) und allgemein die reduktiven Gestaltambitionen eine bestimmte Wiederaufnahme und Fortführung dieser Perspektiven in den siebziger Jahren. Diese finden jedoch hauptsächlich in der Malerei (und weniger in einer expansiven Kunstpraxis), auf einer betont sinnlichen, gemeint ist hier visuellen und nicht begrifflichen Ebene und angesichts des Paradigmenwechsel im Bereich der Soziologie, Philosophie und Ästhetik in den letzten Jahren, ohne die utopistischen und ideologischen Überbauphänomene („Projekt der Aufklärung“ und die „Synthese von Kunst und Leben“) statt. Zielte vormals der Einsatz der elementaren bildnerischen Mittel (Punkt, Linie, Fläche usw.) auf eine axiomatische Reduktion der Wirklichkeitsauffassung, so verknüpft sich heute Elementarität – in fast paradoxer Verkehrung – mit der Komplexität subjektiver emotionaler Werte und mit dem „Beziehungsreichtum“3

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