Ausstellungen: Berlin , 1986

Thomas Wulffen

Naum Gabo 1890-1977

Akademie der Künste Berlin,
7.9.-19.10.1986

Die Ausstellung, die sich in der Akademie der Künste dem Werk des russisch-amerikanischen Künstlers Naum Gabo widmete, feiert nicht nur das Werk, sondern auch vor allem wiederentdeckte Skulpturen, die neue Fragen der Bewertung aufwirft. Diese Skulpturen waren bis dato nur durch mehr oder minder schlechte Fotografien belegt, aber als Original nicht mehr aufzufinden. Nach dem Tod des Künstlers 1977 fand sich auf dem Dachboden seines Hauses in Connecticut eine große Kiste nebst Umschlägen und kleineren Kartons, in denen die gesuchten Skulpturen zusammengelegt verwahrt wurden. Seinem langjährigen Assistenten, dem Bildhauer Charles Wilson, gelang es, aus den vorhandenen Bestandteilen die originalen Skulpturen wieder herzustellen. Bis auf wenige Teile konnten die Arbeiten wieder als Originale präsentiert werden. Die erste Vorstellung dieser ’neuen‘ Skulpturen auf europäischem Boden, nach Stationen in Dallas, Toronto und New York, vollzieht sich auf für das Leben von Naum Gabo historischem Ort.

Der Künstler lebte als russischer Emigrant von 1922 bis 1932 in Berlin und war hier auch Ausstellungskommissar für die legendäre ‚Erste russische Kunstausstellung‘ in der Galerie van Diemen. Zwei Jahre davor, 1920, hatte Naum Gabo das ‚Realistische Manifest‘ geschrieben und zusammen mit seinem Bruder, Nathan Pevsner, veröffentlicht. Die darin ausgedrückte Verweigerung von Farbe, Volumen und Masse als Elemente der plastischen Form wurde ihm zum ästhetischen Programm, das allerdings über die Jahre, die Ausstellung in der Akademie der Künste trägt den Untertitel ‚Sechzig Jahre Konstruktivismus‘, immer mehr in Vergessenheit geriet. Wie jedes gute, künstlerisch programmatische Manifest wurden auch im ‚Realistischen Manifest‘ die Vorläufer,…

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