Ausstellungen: Ludwigsburg · S. 235
Ausstellungen: Ludwigsburg , 1988

Thilo Koenig

Erwin Blumenfeld

„Mit der Entdeckung der chemischen Zauberei, der Licht- und Schattenspielerei und des zweischneidigen Positiv-Negativproblems begann mein Leben. Ich startete als guter Fotograf.“

Erwin Blumenfeld entdeckte seine Passion für die Fotografie im Alter von zehn Jahren; sie sollte ihn in der Nachkriegszeit zum höchstdotierten „free-lance“-Fotografen New Yorks machen und ihm Verträge mit ‚Vogue‘ und ‚Harper’s Bazaar‘ einbringen sowie Arbeiten für eine Vielzahl amerikanischer und europäischer Magazine.

Blumenfeld wurde zwar nicht eigentlich ein innovativer Fotograf, seine Synthese aus Kubismus, Dadaismus und vor allem Surrealismus bildet aber ein geschlossenes, konsequentes Lebenswerk. Was davon in den Ausstellungen gezeigt wird, verweist auf seine bewegte Biographie: Bereits 1933 entstanden Montagen des Hitlerportraits mit einem Totenschädel, die 1942 von den Alliierten als Flugblatt über Deutschland abgeworfen wurden, professionelle Modefotografie für die ‚Haute couture‘ wurde sein Beruf, die Darstellung der Frau, des weiblichen Körpers sein Leitmotiv.

Blumenfeld, 1897 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Berlin geboren, war bereits mit 16 Jahren als Lehrling in einem Damenmodenhaus mit der Welt der Konfektionen vertraut. Früh fand er auch zu Berliner Avantgarde-Künstlerkreisen und zu den späteren Dadaisten, er lernte Else Lasker-Schüler und George Grosz kennen, was seine künstlerische Arbeit entscheidend anregte. 1916 an die Westfront einberufen, scheiterte ein Desertationsversuch – die Mutter verriet ihn. Erst nach Kriegsende und kurzem Dada-Intermezzo in Berlin emigrierte er nach Holland.

Mit seinem Schulfreund Paul Citroen, dessen Cousine Leentje er heiratete, gründete Blumenfeld die „Dada-Zentrale Amsterdam“ – ein eher fiktives Unternehmen. Auch änderte er – nach Vorbild Herzfelde/Heartfield – seinen Namen für einige Zeit in „Jan Bloomfield“. Er…

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