Monografie , 1988

Theo Lambertin

Den Goldenen Schnitt gefressen

„Am Ende eines gemalten Bildes soll die kindliche Freude wie über ein frisches, home made gemachtes Glas Limonarde stehen. Nicht als Belohnung für die Mühe, nicht aus Gewohnheit, sondern wegen des unangenehmen Prickelns beim Trinken. Sogar das ‚r‘ in Limonarde muß richtig sein“. Mit solche verquerer Logik und Hintersinnigkeit ä la Karl Valentin blies der Kölner Maler Theo Lambertin 1984 in seinem Buch „Gehirnschande Kunst“ zur Attacke gegen den Drang zur Erhabenheit, der dem bildnerischen Gewerbe eigen ist.

Lambertins Metier ist dagegen eher das lakonische Understatement, eine Vorliebe für das Schlichte, oft nur zwei Vierecke und drei Streifen auf einem Bild, oder ein schwarzer Ovalbogen mit zwei kleinen weißen Balken: „Das Zeichen der Welt“ (1981). Da wird „Die Signatur einer heißen Kartoffel“ (1982) vorgenommen und „Haushalt Entsorgung (Harmlos)“ (1986) betrieben, in kühler, grau-blauer Frische „humana Westmilch“ (1983) angeboten, und die übermalte Fotoleinwand mit dem Kachelfußboden wartet noch auf ihre Interpretation: „Titel momentan unbekannt“ (1985).

Ein bildnerisches Konzept, das an Widerborstigkeiten geradezu strotzt. Die blau übermalten Fotos von Bäumen auf einem Campingplatz bedürfen des inbrünstigen Gebetes „Leite meine Striche“ (1987), ein ironischer Protest gegen die schreiende Ungerechtigkeit, daß nur Sigmar Polke und sonst niemand bislang aus himmlischen Sphären erfahren hat, wie die linke obere Ecke auszumalen wäre. „Führer, befiehl, wir malen alles“ (1983). Bei einer Umfrage zum Thema „Was erwarten Sie als Künstler von der Öffentlichkeit?“ gibt Theo Lambertin die treffende Antwort: „Demut un Jällt“ und schiebt dem Gehirnschande-Traktat sein „Handelsübliches Bestechungsbild“ (1988) nach. Hinweise auf mögliche Folgeschäden durch…

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