Report · S. 184
Report , 1988

Paolo Bianchi

Mit Vulgarität in die Raffinessen des Luxus gestürzt

Über Andy Warhols Refugium in New York

Als Andy Warhol am 22. Februar 1987 starb, glaubte man, alles über ihn zu wissen: Erfinder der Pop-art, Partylöwe und Gesellschaftstiger, Superstar und Klatschspalten-Persönlichkeit. Wo er auftrat, war Sensation im Spiel, und die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums war ihm gewiß. Jeder wollte am Ruhm partizipieren, von dem Warhol meinte, jeder hätte das Recht darauf, einen Augenblick in seinem Leben berühmt zu sein. Warhols Kunst schloß das Publikum, die Rezeption und die Bedingungen seines Startums mit ein. Sein Leben war eine einzige Vernissage. „Warhol hat die Gesellschaft unserer Zeit so genommen, wie sie ist, und ihr das Bild geliefert, das ihr entspricht: die Reproduktion. Er war – obwohl er ihr äußerlich so zu huldigen schien – in ironischer Distanz zu ihr“, schreibt Erika Billeter treffend. Warhol, nach Truman Capote „eine Sphinx ohne Geheimnis“, sagte: „Ich will mich nicht zuviel in das Leben anderer einmischen. Ich will mich nicht zu sehr nähern. Darum ist mein Werk so weit entfernt von mir selbst.“ Warhols Stadthaus war tabu. Dieser Tempel vermittelte die Ruhe eines Klosters. Hier lebte ein höchst religiöser Mensch in einer sehr intimen Hülle. Nur wenige durften Warhols Refugium betreten. Mit Staunen hat die Welt soeben zur Kenntnis genommen, welche ungeheuren Sammlungen von Warhol in seinen geheimen Gemächern zusammengetragen wurden. Der besessene Sammler Warhol war ein Konsum-Maniac. Sein Freund und Nachlaßverwalter Fred Hughes berichtete:

„Wenn ihn die Körbe der Indianer faszinierten, dann wollte er sofort viele von ihnen. Für…

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