Titel: Ästhetik des Immateriellen · S. 75
Titel: Ästhetik des Immateriellen , 1988

JÜRGEN CLAUS

Medien – Parks – Labors

Aus der Praxis des Elektronischen Fin De Siécle

Ich will aus der Praxis schreiben – und für die Praxis. Die Theorie, die dieser Praxis ihre Koordinaten gibt, die Richtung ihrer Argumentation, wurde über mehr als zwei Jahrzehnte entwickelt. Ich formulierte sie in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre als „Expansion der Kunst“1. Ihre drei neuvermessenen Achsen führen zu einem Dialog der Disziplinen, der zu den internen gemeinsamen Strukturprinzipien wissenschaftlichen und künstlerischen Vorgehens leitet; zu einer Neuauffassung von Umraum und Urbanität, einer Konzeption des Raumes, der eine offene Grenze zur Umwelt hat, sich auf den größeren Raum der Landschaft, der Städte und des Universums projiziert; schließlich führt eine dritte Achse zu der neuen Technologie, die die Expansion des Filmes und der Computerverwendung sowie eine biokybernetische Gesamtgestalt einschließt.

Mit bemerkenswerter Verzögerung beginnen wir jetzt erst in der Bundesrepublik, die Praxis und Theorie der expandierten Kunst aufzuarbeiten. Offenbar muß es zu Neugründungen kommen, die ihre eigene Legitimation erwerben – ähnlich wie in den zwanziger Jahren die revolutionären Veränderungen in künstlerischer Vision und gestalterischer Neuordnung nicht von traditionellen Kunsthäusern, Kunstakademien und Vermittlungsinstanzen ausgingen, sondern etwa über das Bauhaus und damit eben über eine Neugründung liefen.

Ich habe in diesem Sinn von einem elektronischen Bauhaus der neunziger Jahre gesprochen2. Das Bauhaus ist für mich dabei weniger eine abgeschlossene historische Leistung als vielmehr das immer noch virulente Modell einer Verknüpfung von gestalthafter Vorstellung und Technologien. Natürlich war es voller Widersprüche – menschlicher, sachlicher und vor allem künstlerischer Art. Im Kern jedoch war es, wie…

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