Ausstellungen: Wien · S. 256
Ausstellungen: Wien , 1988

Markus Brüderlin

Kunst und Revolution

Russische und sowjetische Kunst, 1910 -1932
Museum für angewandte Kunst, 11.3.-15.5.1988

„Die Russen kommen“, dieser seit einiger Zeit nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand weitergereichte Mahnspruch ist in diesem Jahr durch verschiedenste größere und kleinere Veranstaltungen sowjetischer Gegenwartskunst bestätigt worden: Eine Sonderausstellung der ART ’88 in Basel war der Kunststadt Moskau gewidmet, und auch das Kunstmuseum

Bern zeigte in seiner Sommerausstellung ein informatives Spektrum des aktuellen Kunstgeschehens aus der Sowjethauptstadt. Einzelpräsentationen von bis vor kurzem noch als dissident geächteten Künstlern wie Bulatow oder Kabakow reisen zwischen Zürich-Frankfurt-Graz und Basel, und die erstmalige Auktion, die Sotheby am 7. Juli in Moskau zusammen mit dem russischen Kulturministerium organisierte, landete finanziell einen Riesenerfolg: Gleich an zweiter Stelle hinter dem Altkonstruktivisten Rodtschenko wurde für 220 000 Pfund ein Bild des „lebenden“ Grisha Bruskin versteigert, und nur 6 der insgesamt 119 Lots mußten an die ursprünglichen Besitzer zurück. Wiewohl man der Rückmeldung der unermeßlich weiten Kulturregion aus ihrer durch den stalinistischen Dirigismus 1932 zwangsverordneten Karenz entgegenfiebern möchte, so wird die Rezeption heute im Westen durch die angeheizte Verkaufshysterie doch auch etwas getrübt. Hans-Joachim Müller überschrieb seine Rezension der Berner Ausstellung in- der Basler Zeitung mit „Perestrojka als kultureller Exportschlager“ und wies neben der wertvollen Information dieser Schau auch auf deren hintergründigen Charakter als Verkaufsausstellung hin: „Ganze Bilderwände befinden sich bereits in Privatbesitz, und auch der Rest wird kaum den Rücktransport nach Moskau antreten.“ Die Künstler selbst schwanken zwischen der Euphorie am neuen Selbstbewußtsein und kritischer Distanz, zwischen „wir haben nichts zu verlieren“ und „die russische…

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