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Titel: Ästhetik des Immateriellen · S. 110 - 119
Titel: Ästhetik des Immateriellen , 1988

René Berger
Kunst und neue Technologien

Die Axiologische Herausforderung1

Da man diese beiden Begriffe gegenwärtig immer mehr und vielleicht auch zu Recht vermischt, sollten sie durch eine kurze Erläuterung geklärt werden. Die Prüfung des Paradoxes dürfte zugleich Licht auf den Gegenstand unserer Untersuchung und noch tiefgreifender auf die komplexe Bahn werfen, auf der sich heute Künste, Techniken und Technologien bewegen.

In einer ersten, auf terminologische Unterschiede ausgerichteten Annäherung bezeichnet die Technik das Ensemble der Verfahren, die man einsetzt, um ein bestimmtes Resultat zu erreichen oder um ein Werk selber in einer bestimmten Weise herzustellen. Das ist also die Technik des Hufschmiedes, die des Graveurs oder selbst noch die des Videokünstlers. Wie das von logos abgeleitete Suffix zu erkennen gibt, legt sich die Verwendung des Begriffs der Technologie nahe, wenn es die Praxis der technischen Verfahrensweisen betrifft, insoweit sie verallgemeinerbar sind und in ihren Beziehungen mit der Entwicklung der Zivilisation gesehen werden (Lalande).

Nichtsdestoweniger ist auffällig, daß “Technologie” häufig, mittels einer im strengen Sinne fehlerhaften Metonymie, als Äquivalent der “Technik” gebraucht wird. Dieser Umstand zeigt, daß der Ausdruck “neue Technologien” den der “neuen Techniken” verdrängt zu haben scheint. Die Metonymie ist aber keine einfache Unkorrektheit, sondern markiert zweifellos ein semantisches Gleiten, das sich nur schlecht durch eine allzu starke “Verbesserung” in Ordnung bringen läßt. Ihr Vorkommen verweist uns auf das Gefühl, daß sich keine Technik, auch wenn sie ein Ensemble von Verfahren bezeichnet, auf die Effizienz des Machens reduzieren läßt, sondern daß sie eine Art des Wissens einbegreift, das, selbst wenn es nur vage formuliert…


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