Ausstellungen: steirscher herbst Graz , 1988

Gabi Czöppan

GRAZ 1988 – steinscher herbst ’88

Kunstverein im Stadtmuseum, 25.9.-3.11.1988

„Lokal denken, global handeln“ überschreibt Cornelia Lauf ihren Katalogaufsatz zu Georg Herold und zitiert die Absicht, die der Grazer Kunstvereinsleiter Peter Pakesch mit der Ausstellung „Graz 88“ verfolgt: Die Politik der Kunst, sei es geographisch, kunsthistorisch oder kulturell, zu orten. Ob nun Herold, geboren in Jena – heute DDR und bekannt für seine scharf pointierten künstlerischen ‚Ortungen‘ („Deutschland in den Grenzen von 37“ etwa ist zu sehen), wie Cornelia Lauf meint, alle drei dieser Bereiche erkundet, dürfte in Österreich spätestens seit der Ausstellung „Das Heil in der Kunst“ 1987 in Pakeschs Wiener Galerie bekannt sein.

In der Kunstschau „Graz 1988“ ist Herold einer von 14 Künstlern, die Pakesch von Los Angeles bis Moskau unter dem Dach des Grazer Stadtmuseums vereinte – wohl in Anspielung an eine historische Ausstellung gleichen Namens, die im selben Museum ein halbes Jahr zuvor die Geschichte Graz‘, der „Stadt der Volkserhebung“ (Nazijargon), 50 Jahre nach dem Anschluß Österreichs dokumentierte. Der Zeitgeschichte, konkreter politischer Vergangenheit, auch dem Motto des diesjährigen ’steirischen herbstes‘ Schuld und Unschuld der Kunst entzieht sich Ausstellungsmacher Pakesch jedoch mit seiner Kunstschau entschieden. Die Kunst als Kaleidoskop globaler Geographien sei eher sein Thema, was ihm mit seinem Blick gen Osten wohl auch gelungen ist.

Aus zwei Ecken Moskauer Avantgarde-Tradition holte er German Vinogradov, der mit seinen raumgreifenden, aus Alltagsobjekten gesammelten „Bewußtseinssplittern“ den ly-rischen-dramatischen Weg, wie ihn auch Erik Bulatov einst vertrat, beschreitet, und Konstantin Swesdotschotov mit der Gruppe Tschempiony Mira (Die Weltmeister) von der „sozialen Linie“, der…

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