Ausstellungen: Berlin · S. 281
Ausstellungen: Berlin , 1988

Thomas Wulffen

Komar & Melamid

Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, 29.7.-9.9.1988

Es versteht sich fast von selber, obwohl kein Anlaß dazu besteht: Komar & Melamid werden im Kontext der derzeitigen Russensucht gehandelt und behandelt. Das tut weniger denen gut, die es verdienen, als jenen, die bloße Spreu sind. Von Komar & Melamid läßt sich letzteres nicht behaupten. Mit der Arbeit auf der d 8 sind sie schon in das öffentliche Bewußtsein hinaufgestoßen, ohne daß die Qualität der Arbeit in Kassel dazu Anlaß gab. Solch eine Fehleinschätzung konnte man in einer Ausstellung des Realismusstudios der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst nun korrigieren. Unter dem Titel „Gedichte über den Tod – Das Gespenst des Eklektizismus“ bot die Ausstellung jüngere und jüngste Arbeiten. Auf den ersten Blick bewiesen die Arbeiten erst mal, daß die beiden Exil-Russen, seit einigen Jahren in den Staaten lebend, die kleine Form besser beherrschen als die große. Und diese kleine Form ist die des Elektizismus, denn „Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Eklektizismus“. Mit diesen Worten beginnt das zur Ausstellung erschienene Manifest „Gedichte über den Tod“. Und unter diesen ‚Gedichten‘ findet sich dann auch die Aussage: „Eklektizismus ist Modernismus mit menschlichem Antlitz.“ Die Werke von Komar & Melamid können als Beleg dafür gelesen und verstanden werden.

Schließlich haben sie ihre Ironisierung des sie prägenden sozialistischen Realismus hinter sich gelassen, um zu einer Formensprache zu finden, die den Hintergrund dieser Erfahrung nicht verleugnet. Was bleibt ist ein stringenter Eklektizismus, der aus den diversen Bestandteilen eine oder mehrere Lesarten erzeugen kann. Die…

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