Gespräche mit Kunstvermittlern , 1996

»Es gibt einfach zuviel Kunst auf der Welt«

UTE THON SPRACH MIT MICHAEL GOVAN, DIREKTOR DES DIA CENTERS FOR THE ARTS IN NEW YORK, ÜBER NEUE KONZEPTE, ALTE SAMMLUNGEN UND KÜNSTLER IM INTERNET

Die Entstehungsgeschichte des Dia Centers for the Arts ist so kryptisch wie der Name. Gegründet wurde es 1974 von dem deutschen Kunsthändler Heiner Friedrich und Phillipa de Menil, einer Millionenerbin des Schlumberger-Öl-Imperiums. Ziel des kunstbegeisterten Paares war es damals, visionäre Großprojekte zu fördern, die im normalen Galerie- oder Museumsbetrieb keine Realisierungs-chancen hätten. Zur ersten Dia-Crew gehörten Walter De Maria, James Turrell, Blinky Palermo und Dan Flavin. Die Künstler wurden nicht nur mit großzügigen Stipendien und eigenen Studios ausgestattet, das Kunstzentrum finanzierte auch Millionenprojekte wie De Marias „Vertical Earth Kilometer“ für die Kasseler documenta 1977 und das „Lightning Field“ in New Mexico, Turrells Land-art-Projekt „Roden Crater“ und Donald Judds „Marfa Museum“. Der Name „Dia“ (gr. für durchführen, durchscheinen) war Programm. Exzessive Ausgaben, Sammelleidenschaft und Mißmanagement manövrierten das Kunstzentrum Anfang der 80er in eine tiefe Krise. In weniger als zehn Jahren hatte das Unternehmen mehr als 30 Millionen Dollar durchgebracht, die Hälfte des Schlumberger-Erbes. Der Sturz der Ölaktien an der Börse ließ die Menil-Familie schließlich die Notbremse ziehen. Sämtliche Ausgaben wurden gestoppt, teure Immobilien verkauft, Kunstwerke versteigert und das Dia Center schließlich in eine gemeinnützige Einrichtung umgewandelt.

1987 zog das Dia Center unter einem neuen Direktor, Charles Wright, in seine jetzige Location, ein altes Lagerhaus in 584 West 22nd Street. Dort organisiert es seitdem Langzeitausstellungen mit zeitgenössischen Künstlern wie Dan Graham, Francesco…

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