Ausstellungen: München · von Jolanda Drexler · S. 272
Ausstellungen: München , 2016

Jolanda Drexler

ExistenzFest

»Hermann Nitsch und das Theater«

Museum Villa Stuck, München, 5.2. – 8.5.2016

Ein passenderes Ambiente für die Ausstellung Existenzfest von Hermann Nitsch als die opulente Jugendstilvilla des Malerfürsten Franz von Stuck ist kaum denkbar. Das als Gesamtkunstwerk konzipierte Künstlerhaus entfaltet eine dunkel glänzende, klassizistisch gebändigte Prachtfülle des Fin de Siècle, was schon den ganz jungen, 1938 in Wien geborenen Künstler motivierte, eigens zu dessen Wiedereröffnung Mitte der 50er Jahre anzureisen. Vor allem aber ließ sich der Universalkünstler vom synästhetischen Werkgedanken des in München so reich vertretenen Wassily Kandinsky anregen. Und schließlich verbrachte der Mitbegründer des Wiener Aktionismus in München von 1968 an acht – privat wie beruflich – intensive Jahre, in denen er seine durchschlagskräftigsten, radikalsten Aktionen überhaupt durchführte.

Kurator Hubert Klocker, Direktor der Sammlung Friedrichshof Zurndorf/Wien, der diese Ausstellung zuvor bereits im Wiener Theatermuseum mit dunkler, dramatischer Wirkung arrangierte, überzeugt hier in den Großräumen des Atelierbaus der Villa mit einem ebenso planvollen wie ästhetischen Konzept. Dass er den dramatischen, mithin performativen Aspekt des Gesamtwerks von Nitsch in den Fokus nimmt, macht gerade für das heutige intermediale und interaktive Kunstverständnis besonderen Sinn. (So zeigte auch das mumok in Wien bereits 2015 seinen Sammlungsschwerpunkt „Wiener Aktionismus“ im Kontext der internationalen Performancekunst der 1960er und 1970er Jahre.) Und vor allem trifft Klocker auf diese Weise die ureigene Intention des Künstlers – die sonst gerne ausgestellten und auf dem Kunstmarkt geschätzten abstrakt expressionistischen Schütt- und Rinnbilder sowie die ornamentalisierten Graphiken können ohne den dramatischen Kontext mitunter geradezu dekorativ wirken. Seit 1957 trägt sich Nitsch…

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