Ausstellungen: Düsseldorf · von Heinz-Norbert Jocks · S. 360
Ausstellungen: Düsseldorf , 2000

Heinz-Norbert Jocks

Francesco Clemente

»Der Stachel der Lebendigkeit«
Arbeiten auf Papier

Kunstsammlung NRW, Düsseldorf, 16.10.1999 – 9.1.2000

Wer sich den Bildern von Francesco Clemente, übrigens Autodidakt von Beruf, annähert, der kämpft, um wahr zu sehen, gleich mit mehr als nur einem Problem. Erstens darf er sich nicht durch die geradezu tänzerische Leichtigkeit und medieneigene Schnelligkeit des Aquarellierens über die ungeheure Tiefendimension dieser Malerei hinwegtäuschen lassen. Im Übrigen erweist sie sich als ein so fröhlich-schauderhaftes wie märchenhaft-entrückt anmutendes Ins-Bild-Setzen von existentiellen Erfahrungen außergewöhnlicher Art. Zweitens lässt sich diese, obwohl es, da narrativ angelegt, zunächst den Anschein hat, nicht auf den ersten Blick erfassen. Und drittens muss sich der Betrachter der Bilder freimachen von der bisherigen Rezeption, die ihn als „Narziss auf der Geisterbahn“ abtut, der sich an einem permanenten Rollenspiel ergötzt, oder ihn als so obsessiven wie sentimentalen Ersatz-Ich-Tagträumer mit gewissem Hang zur Flachheit und Oberflächlichkeit hinstellt. Ja, gegen ihn wurde sogar der Vorwurf erhoben, das Expressive kippe um ins Süßliche und die Farbigkeit der Aquarelle rücke sie gar in die Nähe des Kitsches. Die Kritik, die selber so gerne Klischees zeugt, an denen sie sich klammert, um dingfest zu machen, was sich in Sprache so nie übersetzen lässt, stürzt sich wie wild auf diesen Maler. Doch in der Regel, ohne die kontemplativen Erfahrungen zu bemerken und auch noch zu bedenken, von denen seine Bilder im Stillen ihrer reinen Anschaulichkeit handeln, und ohne dem intensiv nachzuspüren, was an ihnen so extrem anders ist und worin sich ihr Macher von anderen unterscheidet.

Derzeit präsentiert ihn nicht nur…

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