Ausstellungen: Wien , 2007

Ursula Maria Probst

Franz Gertsch

»Retrospektive. Das malerische Werk von 1951 bis 1984«

Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien,

MUMOK, 20.10.2006 – 11.2.2007

In der Retrospektive „Das malerische Werk von 1951 bis 1984“ von Franz Gertsch findet keine wie sonst so oft praktizierte museale Reinszenierung statt, sondern gewinnt speziell seine fotorealistische Malerei der 1970er Jahre eine faszinierende Präsenz. In diesen monumentalen Bildern von Franz Gertsch spiegeln sich heute Rollenspiele der Bohemien, das Verweigern gegenüber jeder Vereinnahmung nach dem Lust-Unlust Prinzip sowie die Eventbedürfnisse des Kunstbetriebs wider. Das Ausstellungsdisplay bietet neben intimen Kojen die Möglichkeit, aus Nah- und Ferndistanzen die malerischen und fotorealistischen Aspekte der Bilder von Franz Gertsch zu durchlaufen.

1969 erfindet sich Franz Gertsch konzeptuell völlig neu und lässt seine Versuche, verschiedene Stilrichtungen und Bildsprachen zu erproben, die zwischen romantischer Veranlagung und den Pop-Varianten der 1960er Jahre liegen, hinter sich zurück. Das 1969 entstandene Bild „Huaa…!“ steht an den Anfängen seiner fotorealistischen Phase und zeigt angriffslustig einen Reiter in historischer Offiziersuniform mit gezücktem Säbel im vollem Galopp den Mund zum Schrei geöffnet. Als Vorlage diente ein Filmstill aus „The Charge of the Light Brigade“ von Tony Richardson (1968) mit David Hemmings, der durch seine Rolle in Michelangelo Antonions Film „Blow up“ Kultstatus erlangte. Die Szene spielt sich im Film allerdings anders ab, als das aus dem Kontext gelöste in die Malerei übertragene Filmstill vermittelt. Das Bild zeigt nicht den angreifenden, sondern den tödlich getroffenen Captain Louis Edward Nolan gespielt von David Hemmings und stellt sich in seiner malerischen Übersetzung als ein Missverständnis heraus. Schlagartig international…

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von Ursula Maria Probst

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