Ausstellungen: Emsdetten · von Jörg Restorff · S. 358
Ausstellungen: Emsdetten , 1996

Jörg Restorff

Genesis

Galerie Münsterland, Emsdetten, 17.9. – 29.10.1995

Dem Katalog der Ausstellung „Genesis“ ist ein eindrucksvolles Foto vorangestellt. Es zeigt die hügelige, von mächtigen Felsblöcken geprägte Landschaft bei Harare, Hauptstadt Simbabwes, dem Land der Steine im südlichen Afrika. Schlägt man das Buch vom anderen Ende auf, findet sich das Pendant: eine stimmungsvolle Aufnahme der trauten Wald- und Wiesenlandschaft im Münsterland. Gegensätze fürwahr.

Was die beiden Naturimpressionen zusammenführt, ist das länder- und kulturverbindende Programm der „Genesis“-Ausstellung, veranstaltet von dem jungen, seit 1993 bestehenden Ausstellungshaus „Galerie Münsterland“ im westfälischen Emsdetten. Drei schwarzafrikanische Künstler aus Simbabwe und ein deutsches Künstlertrio haben sich zum Sextett formiert. Auf dem Spielplan des internationalen Ensembles, dem aus Simbabwe Keston Beaton, Tapfuma Gutsa und Luis Meque, aus Deutschland Felix Droese, Jupp Ernst und Peer Christian Stuwe angehören, stehen zeitgenössische Variationen über das Urthema „Genesis“.

Biblische Schöpfungsgeschichte und biologische Evolution, Berührungspunkte zwischen Welterschaffung und dem künstlerischen Schaffensprozeß, Reflexionen zu Ursprung, Werden und Vergehen – in den eigens für diese Gemeinschaftsausstellung gefertigten Bildern, Skulpturen und Objekten artikuliert sich Elementares. Wer freilich eine illustrative, leicht nachvollziehbare Schilderung einzelner Episoden aus dem Alten Testament erwartet, wird enttäuscht. Die Auseinandersetzung mit dem ersten der fünf Bücher des Mose ist keine Bibelschau, keine auf Wiedererkennbarkeit angelegte erbauliche Nacherzählung. Vielmehr bezeugen die Arbeiten der „Genesis“-Ausstellung das individuelle, einen Anspruch auf Verbindlichkeit nicht erhebende Kunstwollen der einzelnen Beteiligten. Keine fromme Kirchenkunst also, sondern eine sehr persönliche, verschlüsselte und indirekte Annäherung an den komplexen Stoff.

Wie kam der künstlerische Austausch zwischen den Kontinenten zustande? Treibende Kraft des Nord-Süd-Dialogs im Zeichen der Genesis…

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