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Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 374 - 375
Ausstellungen: London , 2010

Edgar Schmitz
Harun Farocki

»Against What? Against Whom?«
Raven Row, London, 11.11.2009 – 7.2.2010

Farockis Ausstellung ist ein Traktat zu und aus Bildern. In der Arbeit von 1995, in der er zuerst mit Zweikanalmontage experimentierte und die für ihn so entscheidende bildliche Syntax seiner Arbeiten erstellte (Interface (Schnittstelle), 1995), porträtiert er sich und seine Arbeit als Doppelporträt am Schnitttisch. In Machine Eye III (2003) geht er dem immer weiter ausgreifenden militärisch-industriellen Schnittpunkt von computergenerierten Sichtbarkeiten und deren Umarbeitung in Welt nach und montiert ihre Geschichte aus V1 Propaganda-Animationen der 1940er und neuesten Erkennungstechnologien aus dem Golfkrieg und der zivilen Computerforschung (soweit es Sinn macht, hier überhaupt noch von einem zivilen Bereich auszugehen). Bilderfelder sind hier erstmal Schlachtfelder, in ihrer Aufklärungsfunktion ebenso wie als Vorwegnahme der auf sie folgenden mehr oder weniger smarten Bomben.

Farocki geht von dieser Verzahnung aus, setzt sie als gegebenes voraus und übersetzt ihre Bildlichkeitsprämisse in die selbst-reflexive Logik des rezipierenden und montierenden Filmemachers. Und genau aus dieser Differenz ergibt sich dann in den Arbeiten so etwas wie ein kritisches Motiv, eine Syntax von Bildlichkeiten, die sich in den Spannungen und Widersprüchen, oder allgemeiner noch den durch die Verdoppelung auf zwei Bildschirmen erstellten Bezüglichkeiten, artikuliert. Die Leistung der Montage liegt in dieser immanenten Form von Kritik, in der Bilder auf Bilder antworten, dialogisch aber ohne veräußerte Kommentarfunktion.

Gerade weil dieses Referenzgewebe aber so notwendig totalisierend funktioniert, wird die Frage nach dem Stellenwert eines möglichen Außen zentral. Wenn Smartbombs auf dem Flug zum Ziel in Echtzeit gemachte Aufnahmen gegen Kartenarchive abgleichen,…



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