Ausstellungen: Köln , 2000

Jürgen Raap

Heribert C. Ottersbach

»Maler’s Atelier«

Galerie Reckermann, Köln, 6.5. – 26.6.2000

„Moderne Sieg und Heilung“ (1998) lautet der polemische Titel eines der Bilder in der Ausstellung. Heribert C. Ottersbach teilt keineswegs jenen Fortschrittsoptimismus, der in der Epoche der Moderne im 20. Jahrhundert Politiker, Architekten und Sozialreformer beflügelt hatte. Denn diese Moderne brachte nicht nur das Penicillin hervor, sondern auch die Atombombe; nicht nur demokratische Freiheiten, sondern auch politischen Totalitarismus.

Was sich in des „Maler’s Atelier“ (Titel der Ausstellung) angesammelt hat, ist eine kritische Bestandsaufnahme des modernen Denkens und zugleich der modernen Kunst. Das „moderne Idyll im ausgehenden 20. Jahrhundert“ (Bildtitel) kulminiert bei Ottersbach ironischerweise in einem Pferdewagen. Nun ist der „Elchtest“ wahrlich keine schicksalhaft-magische Rache der Physik an der Technikgläubigkeit der Autokonstrukteure. Es ist auch nicht jede Fortschrittskritik automatisch spießig und reaktionär, auch wenn Wahlforscher den Moralismus der Grünen als derzeit „out“ etikettieren und stattdessen als Entertainer-Granate der Spaßgesellschaft Jürgen W. Möllemann voll im Trend liegt.

Aber je rationaler sich die Moderne gab und sich gleichzeitig die tradierten sozialen Bindungen auflösten, desto mehr konnten Appelle ans Instinktive und Emotionale wirken. Deswegen sind politische Demagogie, Werbepsychologie und ein ambivalentes Verhältnis zur technischen Innovation und vor allem zu ihrer Geschwindigkeit typische Begleiterscheinungen der Moderne.

Welche Bedingungen und Möglichkeiten hat die Malerei (noch) im Zeitalter von Fotografie, Computer und Internet? Sie hat innerhalb der Gesellschaft ja längst nicht die bildliche Macht und damit nicht das wahrnehmungsverändernde Potenzial eines TV-Senders und der anderen Medien der Bewusstseinsindustrie.

Die Suche nach Antworten tangiert also zunächst einmal nur rein kunstimmanent die Ebenen der…

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