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Gespräche mit Künstlern · von Wout Nierhoff · S. 449 - 452
Gespräche mit Künstlern , 1996

Im Namen des Volkes …

WOUT NIERHOFF SPRACH MIT DEM RUSSISCHEN MALER GEORGE PUSENKOFF ÜBER DESSEN RECHTSSTREIT MIT DEM FOTOGRAFEN HELMUT NEWTON

Helmut Newton, in Monte Carlo lebender, routinierter Meister der kühlen Erotik-Fotografie, hatte sich im Sommer dieses Jahres auf den russischen Künstler George Pusenkoff (*1953) eingeschossen. Doch der Star-Fotograf, dessen VIP-Porträts und zahllose Inszenierungen „namenloser“ Models inzwischen sogar durch Museumsausstellungen nobilitiert wurden, hatte es diesmal nicht auf schöne Beine, rätselhafte Augen oder andere knackige Körperpartien abgesehen.

Diesmal ging es nicht um das weite Feld sinnlicher Verführungen, sondern um die prosaischen Möglichkeiten einstweiliger Verfügungen. Eine solche erwirkte Newton nämlich über seinen Hamburger Rechtsanwalt gegen den seit fünf Jahren in Deutschland lebenden Pusenkoff, der in seinem Bild „Power of Blue“ ein Motiv Newtons paraphrasiert hatte.

In erster Instanz vor dem Hamburger Landgericht verlor Pusenkoff zunächst den Prozeß, der sich aus diesem Rechtsstreit entwickelte. Das änderte sich jedoch in der Berufungsinstanz vor dem Oberlandesgericht der Hansestadt. Hier gaben die Richter im Herbst letzten Jahres der Argumentation von Pusenkoffs Berliner Anwalt Prof. Dr. Peter Raue Recht.

*

W. N.: Am 17. Oktober letzten Jahres hat ein Kritiker im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Ihren Rechtsstreit mit dem Fotografen Helmut Newton so kommentiert:“Sobald man das Pusenkoff-Bild vor Augen hat, fällt es einem freilich nicht mehr schwer, sich in Newtons Denkweise hineinzuversetzen. Denn auf dem Gemälde „Power of Blue“ ist die zentrale Aktfigur aus Newtons Aufnahme „Miss Livingstone sitzend“ (sic!) zwar mit malerischen Mitteln verfremdet, bildet aber eindeutig den Blickfang des großformatigen Bildes. Daß der blaue Hintergrund des Gemäldes und…

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