Monografie · von Heinz-Norbert Jocks · S. 198
Monografie , 2013

In den Gedärmen des Ateliers

Ein Versuch über die Malerei von Guan Yong

von Heinz-Norbert Jocks

In seinem Studio in Beijing springt sofort ein Widerspruch ins Auge, verknüpft mit der Frage: Wie kommt es dazu, dass sich ein so obsessiver, dabei alles, was er tut, bedenkender, aber auf die sinnliche Ausstrahlung eines Bildes bedachter Maler wie Guan Yong zwischen zwei Extremen so gekonnt wie mühelos, mit so großer Leichtigkeit und Raffinesse bewegt? Es wirkt zwar nicht so, als wäre alles aus einem Guss heraus entstanden. Aber der Sprung von hier nach da, von einem Thema zu einem ganz anderen bereitet dem 1975 in Heze, in der Shandong Provinz geborenen Sohn aus einer Bauernfamilie, dessen Vater in seiner Freizeit sich sowohl praktisch als auch theoretisch mit Malerei und Kalligraphie befasste, von der Technik her absolut kein Problem. Nicht nur deshalb die Vermutung, beides könnte irgendwie und irgendwo zusammengehen. Ja, von einer geglückten Koinzidenz wird vielleicht am Ende erster Reflexionen über diese Malerei die Rede sein können. Dass sich das eine und das andere eben nicht ausschließt, sondern ergänzt und beides insgeheim miteinander verwoben ist, teilt sich unserem Blick, wenn überhaupt, erst einmal flüchtig, besser noch unterschwellig mit. Aber die geheime Verbindung, die da zu bestehen scheint, ist nicht wirklich fassbar. Auf Anhieb lassen sich dafür jedenfalls keine direkten Anhaltspunkte finden. Was die einen Bilder mit den anderen zu tun haben und wie sie zu einem Dialog von großer Spannung zusammenfinden, erschließt sich uns auf keine unmittelbar optische Weise. Erst dann, wenn sich der Geist,…

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