Titel: Globalkunst – eine neue Weltordnung · von Andrea Buddensieg · S. 60
Titel: Globalkunst – eine neue Weltordnung , 2013

Hans Belting und Andrea Buddensieg

Zeitgenossenschaft als Axiom von Kunst im Zeitalter der Globalisierung

Die Frage nach einer grenzenlosen Kunstproduktion, die der Vortragszyklus „Art Unlimited“ der Berliner Akademie der Künste in Berlin im Jahre 2010 als Thema wählte, stellt sich erst im Zeitalter einer globalisierten Kunstszene. Zeitgenössische Kunst präsentiert sich heute nicht nur als neue Kunst, sondern als eine neue Art von Kunst, die seit dem Ende des Kalten Krieges auf dem Globus expandiert. Dabei ist einstweilen noch kontrovers, worin ihre Neuheit besteht. Sie liegt zunächst darin, dass sie nicht mehr synonym ist mit moderner Kunst. Vielmehr versteht sie sich als zeitgenössisch nicht nur in einem chronologischen, sondern auch in einem symbolischen und sogar in einem ideologischen Sinne. In vielen Ländern kann Kunst nur zeitgenössisch sein, weil sie am Ort keine moderne Geschichte hat.

Der neue Boom der Kunstproduktion geht notwendig mit einer Krise des hergebrachten Kunstbegriffs zusammen, der sich nicht ohne Probleme entgrenzen lässt. Vielmehr nimmt die global erweiterte Kunstpraxis den Verlust eines verbindlichen Kunstbegriffs in Kauf, an dessen Stelle nationale, kulturelle und religiöse Interessen zu Wort kommen. Im Wendejahr 1989 war es eine kontrovers aufgenommene Pariser Ausstellung, die als erste den nach Ansicht vieler gescheiterten Versuch machte, eine globale Kunstszene zu präsentieren. Unter dem umstrittenen Titel Les Magiciens de la terre (also Magier statt Künstler und Erde statt des Globus) wurde sie eine Premiere für den gemeinsamen Auftritt von 100 Künstlern, von denen die eine Hälfte bis dahin gar nicht in der Kunstszene anerkannt war.1

Das 19. Jahrhundert war die Zeit der…

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von Andrea Buddensieg

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