Magazin: Bücher · von Justin Hoffmann · S. 407
Magazin: Bücher , 2004

Is this real?

In den letzten Jahren häufen sich die kulturwissenschaftlichen Abhandlungen über HipHop. Als Anlass wird stets seine weltweite Verbreitung angeführt. Als globale Kultur scheint sie für eine Betrachtung prädestiniert zu sein, die aktuelle Migrations- und Ökonomietheorien mit kulturanalytischer Methodik in Verbindung bringt. Die Soziologen Gabriele Klein und Malte Friedrich verliehen ihrer Veröffentlichung dagegen einen anderen Akzent, obgleich die genannten Aspekte auch bei ihnen eine gewisse Rolle spielen. Das Buch „Is this real?“ ist ein Resultat des DFG-Forschungsprojektes „Korporalität und Urbanität. Die Inszenierung des Ethnischen am Beispiel Hip-Hop“, das innerhalb des Schwerpunktprogramms „Theatralität“ in Hamburg durchgeführt wurde.##### Ein Projekt, das Klein von 1999 bis 2002 leitete und für das Friedrich als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Beide Autoren begreifen HipHop in erster Linie als theatrale Kulturpraxis, in der Wirklichkeit konstruiert wird. Doch diese These scheint fragwürdig. Denn entweder entgrenzen die Autoren damit den Begriffs des Theaters so weit, dass es scheinbar nichts mehr jenseits davon gibt – dies deutet sich an, wenn sie „Realness“ allgemein als „theatrale Kategorie“ begreifen -, oder sie überzeichnen einen Aspekt, der nur periphere Bedeutung besitzt. Denn im Zentrum von HipHop steht nicht das Theatrale sondern die Musik. Noch immer findet seine Verbreitung hauptsächlich über Tonträger, über Soundsystems in Clubs oder über die Medien Rundfunk und Fernsehen statt, in denen visuelle Komponenten nur eine zweitrangige Rolle spielen. Sein spezieller Groove ist sein Erfolgsrezept. Selbst wenn man die vier ursprünglichen Elemente des HipHop – Rap, DJ-ing, Breakdance, Graffiti – als gleichwertig betrachten sollte, dann kommt Theater, wenn man…

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