Magazin: Bücher · von Cornelia Gockel · S. 434
Magazin: Bücher , 2004

Körper-Szenarien

In den letzten Jahren avancierte der menschliche Körper zum beliebtesten und gleichzeitig umstrittensten Gegenstand der Wissenschaft. Durch neue Technologien und medizinische Forschritte konnten die naturgegebenen anatomischen Grenzen des Menschen überwunden werden. Die Moderne wird als Befreiung des Menschen von den gesellschaftlichen Konventionen gefeiert. Doch ein radikaler Schnitt ergab sich erst in den 60er Jahren. Eine differenzierte Betrachtung des Verhältnisses der Geschlechter, die Hinterfragung von gesellschaftlichen Machtverhältnissen und die Auflösung moralischer Grenzen ermöglichten ein neues Körperbild, das in Performance und Body Art zum Ausdruck kam. Der Körper in der Kunst war nicht länger ein Abbild des Menschen, sondern wurde als Material aktiv eingesetzt. Dabei wurden Grenzen ausgelotet, Tabus gebrochen, um in neue Erfahrungsbereiche vorzustoßen. Für die Körperbilder der Gegenwartskunst bilden die Performances der 60 und 70er Jahre die Grundlage. Während es in den 60er Jahre um die Vergewisserung des eigenen Körpers und seiner Stellung in der Gesellschaft geht, haben die Theorien der Postmoderne aber einen weiteren entscheidenden Schritt vollzogen. So lautet die Frage heute nicht mehr „Was ist mein Körper?“, sondern „Wie soll mein Körper aussehen?“. Geschlecht, Identität und Aussehen sind heute nicht mehr von Natur aus festgelegt, sondern entstehen erst durch die diskursive Konstruktion.

Einen wesentlichen Anteil am Wandel der Körperbilder haben die neuen Medien, deren technische Möglichkeiten nicht nur zur Dokumentation der Performances eingesetzt wurden, sondern die ästhetische Praxis entscheidend veränderten. Eine herausragende Stellung nimmt in diesem Zusammenhang die Videokunst ein, die zu einem neuen künstlerischen Werkbegriff geführt hat. Zu einem „Ausstieg aus dem Bild“, wie ihn viele Theoretiker prognostiziert…

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