Ausstellungen: Berlin · von Thomas W. Kuhn · S. 255
Ausstellungen: Berlin , 2014

Thomas W. Kuhn

lens-based sculpture

»Die Veränderung der Skulptur durch die Fotografie«

Akademie der Künste, Berlin, 24.1. – 21.4.2014

Eine Figur schreitet mit weit ausholendem Schritt durch den Raum. Mehrere Stadien der Bewegung in einem zeitlich knappen Moment erscheinen übereinander geblendet: Umberto Boccionis Plastik „Forme uniche della continuità nello spazio“. Die 1913 entworfene Plastik markiert nicht nur das für die Kuratoren entscheidende Jahr in dem sich der Einfluss der Fotografie auf die Skulptur nachweisen lässt. Sie liefert, flankiert mit den beiden strukturell ähnlich konzipierten Werken Raymond Duchamp-Villons aus dem Jahr 1914, auch gleich den augenscheinlich leicht nachvollziehbaren Beleg der These. Der Dialog mit Fotografien von Ètienne-Jules Marey und Georges Demenÿ zeigt zahlreiche Gemeinsamkeiten: Bewegungsabläufe erscheinen als sich überlagernde Formen. Dabei handelt es sich bei Marey und Demenÿ um Werke der Chronofotografie, also einem sehr speziellen Fall der Lichtbildnerei.

Mit Blick auf den speziellen Fall der Chronofotografie, deren Relevanz für den Futurismus schon seit längerem bekannt ist, stellen sich zwei Fragen hinsichtlich der Fotografie in Relation zur Skulptur: 1. ob es für ein spezifisches Verständnis von Skulptur nicht fruchtbarer und konsequenter gewesen wäre, dem Film – also der Chronofotografie par excellence – den Vorzug vor der Fotografie im Zuge der Fragestellung zu geben und 2. welchen strukturellen Einfluss die sonstige Fotografie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf die Skulptur hatte.

An dieser Stelle tritt in der Ausstellung Marcel Duchamp, der jüngere Bruder von Raymond Duchamp-Villon, in Erscheinung. Nicht zuletzt Herbert Molderings, einer der vier Kuratoren, hat sich intensiv mit dem Werk des Franzosen…

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