Ausstellungen: Brühl · von Jürgen Raap · S. 345
Ausstellungen: Brühl , 2008

Jürgen Raap

Neo Rauch

»para«

Max-Ernst-Museum, 28.10. 2007 – 30.3.2008

1949 erschien von Max Ernst der Gedichtband „Paramythen“. Da das Brühler Max Ernst-Museum in seinen Wechselausstellungen gerne Maler vorstellt, die zum Namenspatron eine Korrespondenzbeziehung erkennen lassen, mag man Neo Rauchs Ausstellungstitel „para“ auch als eine Anspielung auf diese „paramythischen“ Gedichte und Collagen von Max Ernst deuten. Tatsächlich legt auch Neo Rauch dem Betrachter seiner Bilder nahe, sich assoziativen Einfällen hinzugeben. Allein dadurch ergibt sich schon gewissermaßen eine geistige Nähe zum klassischen Surrealismus und seiner Vorliebe für zufällige und a-logische Dingkombinationen. Vor allem die Kreidelithografien, die Rauch 2006 zu „Der Mittler“ von Botho Strauß schuf, weisen eine absurde Atmosphäre auf, die mit manchen Blättern in den Collagenromanen von Max Ernst vergleichbar ist. Ebenso bestimmt in Rauchs großformatiger Ölmalerei eine beklemmende Aura des Ungeheuerlichen und Befremdlichen die dargestellten Situationen.

Die Vokabeln „parallel“, „paradox“ und „Parabel“ sind Teil des Assoziationsspektrums, das sich beim Anblick der bizarren Bildwelt des Leipziger Malerstars aufdrängt. Da steht z.B. beim Gemälde „Para“ ein Büchertisch mit einer bunten geflügelten Echsenskulptur hinter einem Bühnenvorhang, wo Musiker auf ihren Auftritt zu warten scheinen. Einer sitzt am Klavier; sein Kollege hält ein Waldhorn unter dem Arm, und die beiden anderen im Hintergrund spähen durch den Vorhang nach draußen auf die Bühne. Diese Szene wirkt einerseits recht vertraut und banal – so sieht nun mal der Alltag von Orchestermusikern aus. Andererseits empfindet man die Atmosphäre doch als seltsam-unwirklich. Nicht minder rätselhaft tritt der „Vater“ auf, der seinen Sohn als kleineren bärtigen Mann wie ein Wickelkind im Arm hält…

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