Report: New York · von Noemi Smolik · S. 398
Report: New York , 1992

Noemi Smolik

New York nach dem Marktzusammenbruch

New York, die große Metropole der zeitgenössischen Kunst, wirkt heute deprimierend, und trotzdem weckt sie gleichzeitig auch wieder Hoffnungen. Deprimierend, weil man überall, auf Schritt und Tritt, den wirtschaftlichen Niedergang, der besonders die Stadt New York in Mitleidenschaft zieht, zu sehen bekommt; überall werden Häuser zum Vermieten oder zum Verkaufen angeboten, geschlossene Läden und verstaubte Schaufensterauslagen vermitteln einen Eindruck der Verwahrlosung, die auf den Straßen lebenden Obdachlosen werden zur Gewohnheit. Und inmitten dieser Atmosphäre wirken die früheren Drahtzieher der so erfolgreichen New Yorker Kunstszene, die Galeristen, Händler und Sammler, die erfolgreichen Künstler und Ausstellungsmacher und die vielen, die dazugehören, eher verschüchtert, unsicher. Auch sie haben kräftige wirtschaftliche Einbußen zu vermelden, die viel gravierender sind als in Europa. Weg ist die frühere selbstsichere Arroganz, man ist wieder freundlich zueinander. Trotzdem spürt man es deutlich: Der einmal so feste Boden unter den Füßen ist kräftig ins Wanken geraten.

Und genau dieser wankende Boden bietet auch viele Chancen, vorausgesetzt, man nimmt sie auch wahr. Und das tun tatsächlich auch einige. Schnell auf die veränderte Situation sich einstellend, entstehen neue Galerien, die sehr bescheiden und einfach eingerichtet sind; ein Raum, gestrichener Boden, Wände und ein Tisch mit Stühlen – das ist auch schon die Einrichtung. Die Galerie der früheren Mitbegründerin von „International with Monument“, Elisabeth Koury, die Galerie „Postmasters“ oder „American Fine Arts“ sind solche Orte, die wenig auf Aufwand geben und wo es wieder mehr um die Inhalte gehen soll.

Und es scheint auch tatsächlich, daß es eine neue Generation…

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