Ausstellungen: Hannover , 2005

Rainer Unruh

Niki & Jean: L’art et l’amour

Sprengel Museum Hannover, 25.9.2005 – 5.2.2006

Ein Zittern durchfährt die Konstruktion, dann setzen sich, von einem leisen Quietschen begleitet, die bemalten Metallscheiben in Bewegung. Sie funktioniert immer noch, die „Wundermaschine Meta-Kandinsky 1“. Jean Tinguely, der Tüftler-Künstler, hat sie 1956 gebastelt und damit das „Geistige in der Kunst“ auf eine spielerische Weise in die Welt der Materie zurückgeholt. Jetzt ist das Werk in Hannover zu sehen, in einer konzentrierten, Leben und Werk konsequent verschränkenden Ausstellung: die erste, die das mehr als 30 Jahre andauernde Verhältnis von Jean Tinguely (1925-1991) und Niki de Saint Phalle (1930-2002) in den Fokus rückt.

„Ich glaube, ich habe mich an jenem Abend in Jean verliebt, als er mich zum Essen einlud und zum Schluss seine Zigarette im Butterteller ausdrückte“, schreibt Niki de Saint Phalle rückblickend. Die Französin aus einer aristokratischen Bankiersfamilie ist fasziniert von dem Schweizer Lebenskünstler aus kleinen Verhältnissen, der sich konsequent über alle gesellschaftlichen Konventionen hinwegsetzt. Aber auch künstlerisch springt der Funke über: Die beiden unterstützten sich wechselseitig in ihren Projekten, beraten sich und helfen einander bei der Realisierung. Niki bringt Tinguely auf die Idee, seine kleinen Maschinen mit Federn zu schmücken. Umgekehrt regen Tinguelys Schrottskulpturen die Französin an, plastisch zu arbeiten. Vor allem in ihren Assemblagen, die Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahren entstehen, zeigt sich der Einfluss ihres neuen Lebenspartners. Da tauchen Spiralfedern, Metallscheiben, Schablonen und Draht auf, Materialien, die typisch für den bricoleur Tinguely sind.

Breit dokumentiert, mit zahlreichen Fotos und einigen Filmen, sind die Aktionen…

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