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Magazin: Publikationen · von Ingo Arend · S. 485 - 485
Magazin: Publikationen , 1996

Ohne Grenzen

Kunstsammeln als Wahrnehmungspolitik. Das Beispiel Peter Ludwig

Die barocke Erscheinung des Aachener Kunstsammlers Peter Ludwig, den die französische Zeitung „Le Nouvel Observateur“ zu einem der 50 mächtigsten Männer der Welt gekürt hat, könnte dazu verleiten, ihn als klassischen Fall des kulturbeflissenen kapitalistischen Kunstgönners einzustufen. Schließlich versteht es Ludwig, mit seinem Kunstschatz den eigenen Namen wirkungsvoll um den gesamten Globus zu repräsentieren. Die „Kulturpolitik“, zu der er sich in seinen Schriften bekennt, ist aber neben den bekannten Museumsstiftungen mit allen unerfreulichen Rangeleien im Schlepptau vor allem der interessante Fall von Wahrnehmungspolitik im großen Stil.

Ludwig sieht Kunst nicht als moralische Besserungsanstalt, sondern definiert sie als „Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse“, als Sinnmedium und – vielfach korrumpiertes – Mittel der Fremd- und Selbstwahrnehmung der Völker und Epochen. Der Gedanke liegt nahe, daß der Blick auf die Kunst der anderen den Blick für deren Geschichte und Gesellschaft öffnet. So wie er sie in seinen Museen in aller Welt ausbreitet, um „Informationslücken zu schließen“, ist er der Völkerverständigung vermutlich nähergerückt, die Regierungskommuniqués immer nur beschwören. Zwar kann man an seinem Wirken auch den praktisch alternativlosen Machtzuwachs des Sammlers in Zeiten knapper öffentlicher Kassen exemplarisch studieren, der nicht nur Blickrichtungen festlegt. Andererseits markiert die Reichweite von Ludwigs privatem Engagement auch die enormen, politischen und kulturellen Möglichkeiten eines neuen Typus zivilgesellschaftlichen Handelns im öffentlichen Interesse, nach dem heute alle suchen. Als historisches Datum gilt das Jahr 1957, als er im Kölner Auktionshaus Lempertz ein ottonisches Heiligenkästchen für das Schnütgen-Museum ersteigerte.

Die Bücher des Regensburger Verlages sind ein weiteres Beispiel…

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