Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 356
Ausstellungen: London , 2013

Edgar Schmitz

Oliver Payne

»Restspiele«

Herald Street, London, 2.3. – 7.4.2013

Payne ist ein Experte des fast-Nostalgischen, und inszeniert in Herald Street ein Spiel zwischen Videogamewelten und Ausstellungskonventionen, das Abgenutztheiten aufeinander abbildet und dabei doch so etwas wie einen verbrauchten Glanz nicht ganz abstreift. Antiquierte Konsolenkomponenten werden zu reliquienartigen Leuchtkastenbildobjekten, die Plastikpanelen von überholten Videospielen verweisen auf eine Zeit, als diese noch in Spielsalons vorkamen und auch soziale Verhaltensmuster vorgaben, und in den Kontrollabdeckungsplatten ohne Funktion ist die Korrelation von Adrenalin und Impulsrhythmus, Agilität und Spielerfolg nur noch als Rest von Anweisungsmustern ablesbar.

Das heisst nicht wirklich ablesbar, sondern zu erinnern: die Platten sind ironisch, sogar kunsthistorisch lesbar im Spiel mit den Spannungen zwischen Funktionalität und Dekor, in der Verzahnung von Design- und Kunstwertigkeiten, von Bildlichkeit und Objekthaftem, von Acrylglas und Spiegeln. Aber als Arbeiten speisen sie sich, bei aller präsentationsbewussten Dezidiertheit, vor allem aus den Erinnerungsspuren, die an diesen Objektresten kleben, auch wenn sie sanitär aufbereitet sind wie hier: fast als Luxusobjekte verkleidet, aber dafür dann doch zu sehr schon Antiquitäten, sind sie von einer Generationsnostalgie unterfüttert, die sich letztlich nicht auf die Objekte richtet, sondern an die Lebenswelten und halb-eskapistischen Traumlandschaften, die sich an ihnen abrieben und in ihnen abbildeten. Die Konsolen waren, als sie noch spezifische Objekte waren und bevor sie Code wurden, der sich an mehr oder weniger beliebigen Benutzeroberflächen andocken lässt, immer schon fetischartig, materielle Relikte vor allem immaterieller Begierden und Performanzen. Und in dieser Aufladung sind sie unmittelbar fetischisiert (immer schon deutlich den Verlust erklärend, den sie als objektifizierter…

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