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Ausstellungen: München · S. 321 - 321
Ausstellungen: München , 1988

Heinz Schütz
Raimund Kummer

Kunstraum, 8.6.-30.7.1988

Kaviar zählt nicht nur zu den kulinarischen Hochgenüssen, sondern – wie Champagner und Hummer – umgibt ihn die Aura von Exklusivität und Luxus. Kaviar und das ihn „erschmeckende“ Sinneswerkzeug spielen eine Rolle in den drei Arbeiten, die Raimund Kummer in München zu installieren beabsichtigte: „Revisionsluke“ im Lichthof des Justizpalastes, „Malossol“ in der Eingangshalle eines Bürohauses von Siemens und „Calaguli Gustatorii“ im Kunstraum. Aus Sicherheitsgründen und mit dem Einwand, der Justizpalast sei kein öffentliches Gebäude – Frage: Basiert nicht gerade demokratische Rechtsprechung auf dem Prinzip der Öffentlichkeit? – wurde die Einrichtung der „Revisionsluke“ abgelehnt.

„Revisionsluke“ wurde bereits in anderem Kontext gezeigt, wobei Kontext und Werk in den Arbeiten Kummers interferieren, d. h. das Werk zieht seinen Kontext gleichsam in sich hinein. Das Werk in diesem Fall: ein über fünf Meter langer, mahagonifarbener Holzquader mit zwei Treppen und Umlauf. Die Möglichkeit seiner Betrachtung wird inszeniert und zum Bestandteil des Werkes. Das Enigmatische des Quaders – ist er hohl? Was beinhaltet er? – fordert heraus, die Treppen zu betreten. Der Blick ins Innere, der bei durchschnittlicher Körpergröße gerade möglich ist, zeigt ein goldgelbes, kugelförmiges Gebilde auf schwarzem Grund: das Großdia eines Kaviareies.

Die Inszenierung des auf das Inszenierte treffenden Blickes – Uwe Schneede analysiert ihn in seinem Katalogaufsatz -tritt noch deutlicher zutage, wenn Kummer ein vergrößertes Opernglas ausstellt – in Melbourne auf den Stufen zum Regent-Theatre, im Brooklyn-Museum in der Antikenabteilung. Ein Opernglas dient dem Connaisseur gleichsam als Genußerhöhungsinstrument – hier fände sich ein Berührungspunkt zum Lukullischen des Kaviars. Mit Hilfe…


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