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Ausstellungen: Wien · von Ursula Maria Probst · S. 349 - 351
Ausstellungen: Wien , 2010

Ursula Maria Probst
Rainer Ganahl. Dadalenin

»Dada für alle!«
MAK, Museum für angewandte Kunst, 7.10.2009 – 7.3.2010

Rainer Ganahl’s Ausstellung „Dadalenin“ in der MAK-Galerie zeigt Eigenschaften eines exzessiven Sammlers und Archivars: Lenin-Büsten von Flohmärkten oder über eBay ersteigert, entweder auf Transportkisten oder in historischen Vitrinen des Museums für angewandte Kunst zu Assemblagen arrangiert, Sammelausgaben von Lenin-Schriften, Statistiken über Eintragungen, die bei der Eingabe von „Lenin Red Terror“ auf Google erscheinen, einzelne Google-Resultate akribisch auf Leinwand übertragen. Die Ausstellung „Dadalenin“ markiert das vorläufige Finale umfassender Aktivitäten, die 2006 mit Lesungen von Lenin-Texten über Volksumerziehung und Imperialismus bei der Moskau Biennale starteten. „Dadalenin“ gestaltet sich in der MAK-Galerie zu einem facettenreichen Projekt, das historische Fakten und deren kulturellen Codierungen hinterfragt. Rainer Ganahl verknüpft darin das Leben und Wirken des Berufsrevolutionärs Wladimir Iljitsch Lenin mit der künstlerisch-literarischen Bewegung Dada. Seinem Protagonisten Lenin als Vertreter des Dada-Gedankens fügt der Künstler in seiner Dramaturgie der Ausstellung weitere ambivalente Persönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinzu, die mit Widerspruch, Chaos, Terror und Zerstörung in Verbindung stehen, wie der Nobelpreisträger Fritz Haber oder der Avantgarde-Künstler Alexander Rodtschenko, den Ganahl für die MAK-Ausstellung in seine Dadalenin-Gruppe aufnimmt.

Rainer Ganahl stellt mit „Dadalenin“ und mit seiner Inszenierung Lenins zum Gründungsmitglied von Dada direkte Bezüge zu Dominique Noguez 212-seitiger Publikation „Lenin Dada“ (1989) her. Der französische Ästhetikprofessor schrieb eine Studie darüber, nach der Lenin während seines Aufenthaltes in Zürich 1916 nicht nur mit den Dadaisten regelmäßig im „Cabaret Voltaire“ verkehrte, sondern selbst praktizierender Dadaist gewesen sein soll. In seinen Schlussfolgerungen betrachtet Dominique…



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von Ursula Maria Probst

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