Ausstellungen: Köln , 1996

Jürgen Raap

Rune Mields – Die schwarze Göttin

Galerie Jöllenbeck, Köln, 27.10. – 17.12.1995

Nach ihren Arbeiten über Zahlensymbolik und Musiknotationen zeigte Rune Mields in der Galerie Jöllenbeck nun Aquatec-Zeichnungen auf schwarzem Büttenpapier unter dem Titel „Die schwarze Göttin“. Im unmittelbaren Nebeneinander der chinesischen Hsi-wang-mu-Göttin mit Drachenkopf und der japanischen Izanami-Göttin mit Speer bieten sich Vergleiche an, ebenso bei der australischen Kunapipi mit Knochen-Attribut und typischem Punktmuster auf dem Körper im Unterschied zur Mama Quilla der Inkas, bei der die Arme, der Kopf- und der Körperumriß einen Ornamentrahmen bilden: Es zeigt sich, daß die Formensprache in diesen Zeichnungen sich zwar an den kulturspezifischen Stil in den Herkunftsländern anlehnt, aber ohne einer Verbindlichkeit des religions- und mythologiegeschichtlich überlieferten Vorbildes zu folgen. Es handelt sich vielmehr um weitgehend frei formulierte Kulturzitate, bei denen vor allem die Darstellungen der Münder und der oft rechteckig angelegten Augen in ihrer Überbetonung einen Eigenwert zugewiesen bekommen.

Die melanesische Le-hev-hev mit ihrem Insektenkörper ist die titelgebende schwarze Gottheit, doch mit unterschiedlichen Bedeutungszuweisungen hat diese Symbolfarbe eine kulturübergreifende Dimension bis hin zum Typus der schwarzen Madonna im Katholizismus, dem allerdings eine patriarchalische Vereinnahmung des Weiblichen eigen ist – wie bei allen monotheistischen Religionen. In ihrer „Hymne an die schwarze Göttin“ verweist Rune Mields auf die kulturevolutionäre Umwandlung matriarchalischer Prinzipien: „Denn Ich bin die Erste und die Letzte. Ich bin die Geehrte und die Verachtete. Ich bin die, die sie Leben nennen, und ihr habt mich Tod genannt.“

Zwar kannte der antik-griechische Polytheismus bereits eine Hierarchie mit Gottvater Zeus an der Spitze, doch in…

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