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Ausstellungen: Hamburg · von Rainer Unruh · S. 342 - 343
Ausstellungen: Hamburg , 2005

Rainer Unruh
Sarah Lucas

Kunstverein in Hamburg, 16.7. – 9.10.2005

Tate in Liverpool, 28.10.2005 – 15.1.2006

Complete Arsehole”, 1993/2005 Tapete, 506 x 341,5 cm. I Might be Shy but I’m Still a Pig”, 2000

Es war eine Szene wie aus einem Buñuel-Film. Yilmaz Dziewior, Leiter des Hamburger Kunstvereins, beschwor gerade hymnisch die Schönheit eines entblößten Hinterteils, als eine Frau sich einen Weg in die Kritikerrunde bahnte. Auf dem Tablett, das sie in der Hand hielt, dampften Spiegeleier. Kein Imbiss für die versammelten Journalisten, sondern Teil eines Kunstwerks. Vorsichtig nahm Sarah Lucas die warme, weiche Speise und hängte die Eiweiß-Lappen an einem verbogenen Kleiderhaken auf. Kunst, frisch aus der Pfanne – und da sage noch einer, die Young British Artists seien in die Jahre gekommen.

Den Auftakt der Hamburger Lucas-Retrospektive macht eine Installation, die düsterer und härter daherkommt als das verspielte Food-Mobile. 180 Schwarzweißfotos hängen an den schwarz gestrichenen Wänden im Erdgeschoss des Kunstvereins. Sie zeigen Ansichten einer menschenleeren Tiefgarage. In einer Ecke des Raums steht ein echter PKW, den die Künstlerin auf einem Hamburger Schrottplatz ausgesucht hat. Die Windschutzscheibe ist zertrümmert, Scherben liegen auf dem Boden. “Islington Diamonds” nennt Lucas die im Neonlicht glitzernden Splitter in Anspielung auf den Londoner Stadtteil, in dem sie bis heute lebt und dessen Bewohner ihren Frust schon mal an Autos auslassen, die zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort parken. Die Künstlerin hat die Arbeit “Car Park” bereits einmal in Deutschland gezeigt, 1997 im Kölner Museum Ludwig, aber hier, in dem fensterlosen, bunkerähnlichen Raum des Hamburger Kunstvereins wirkt sie noch…


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