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Biennalen · von Sabine B. Vogel · S. 322 - 327
Biennalen , 2017

13. Sharjah Biennale 2017

Vom Verlust der Unschuld
von Sabine B. Vogel

Lange Tücher flattern wie müde Fahnen in massiven Stahlgerüsten, Ziegel liegen lose herum, Erdhaufen sind aufgetürmt, der Boden ist aufgerissen. Einige Fenster rundherum sind verbarrikadiert. Schwarz ist die beherrschende Farbe, aggressiv die Stimmung, irritierend die achtlos auf dem Boden liegenden Zeichnungen und die wie in Schützengräben beerdigten Gemälde. Auf Leinwand aufgespannt, wären diese Werke Millionen Wert. Hier aber dienen sie dem in Kolumbien geborenen Kunstmarktstar Oscar Murillo als Elemente, die unseren Blick in den Untergrund lenken. „Conditions yet not known“ nennt Oscar Murillo seine Installation auf der 13. Sharjah Biennale. Bei einem Flug über die Region sei ihm bewusst geworden, dass rechts und links der Route Krieg herrscht. Die Installation sei von dieser Stimmung geprägt, erklärte er im Gespräch. Geplant hatte er die Stahlkonstruktionen wie die Gerüste, die Obduktionstische und auch die lose verteilten Bälle aus Holz und Metall. Spontan hinzu kamen die Zeichnungen und die Entscheidung, den Boden aufzubrechen.

Murillos Installation gehört zu den Höhepunkten der heurigen 13. Sharjah Biennale (10.03.–12.06.2017). 1993 von Scheich Sultan Bin Mohammad Al Qasimi gegründet, hat sich diese Biennale in dem knapp 20 Kilometer von Dubai entfernten Nachbaremirat unter der Leitung seiner Tochter Hoor Al Qasimi seit 2003 zu der wichtigsten Ausstellung des Nahen Ostens entwickelt. Kuratorin ist Christine Tohmé, die 1993 Ashkal Alwan, die Lebanese Association for Plastic Art als Studio- und Ausstellungsort in Beirut gründete. Für Sharjah expandiert Tohmé die Biennale weit über die übliche Laufzeit hinaus. Bereits im Januar begann…



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