Ausstellungen: München · von Heinz Schütz · S. 386
Ausstellungen: München , 1996

Heinz Schütz

Stephan Huber

»als ich noch ein Waldbauernbub war (o.ä.)«

Galerie Six Friedrich, München, 27.10. – 22.12.1995

Seit der Renaissance wird das gelungene Tafelbild immer wieder mit einem Fenster verglichen. Spätestens mit Clement Greenbergs Flachheitspostulat ähnelt die Malerei der Wand: Farbe ist Farbe und Leinwand ist Leinwand, es gibt im Idealfall kein illusionistisches Darüberhinaus. Wie bereits Marcel Duchamp bringt Stephan Huber in seiner jüngsten Rauminszenierung Kunst mit geschlossenen Türen in Verbindung. Während Duchamps „Gegeben sei“ den Kunstbetrachter in einen Voyeur verwandelt und ihn animiert durchs Schlüsselloch zu blicken, läßt Hubers „3- Zi-Whg. für einen Künstler mit 43 Jahren“ derartige visuelle Einblicke nicht zu. Hinter Hubers Türen tritt an die Stelle des optisch Wahrnehmbaren ein hörbarer Text. Er wird, darin nun durchaus wieder Arbeiten Duchamps nahe, zum sinngebenden Konstituenten des Sichtbaren und im gegenwärtigen Fall, selbst des Unsichtbaren. Diesem Hang zur allegorisierenden Textualität kommt in den Arbeiten Hubers eine besondere Bedeutung zu. Er teilt sie mit seiner Künstlergeneration, die auf die positivistische und tautologische Puristik des Minimalismus mit Semantik reagiert. Der spezifische Beitrag Hubers ergibt sich aus seiner Affinität zu barock anmutender Theatralität. Seine Installationen ähneln Bühnenbildern, in denen die Dinge wie Schauspieler agieren. Vom Tonband eingespielte Texte verbinden sich immer wieder mit den „Schauspielerobjekten“ und verwandeln sie in „Sprecher“.

„Text“ heißt auch „Titel“. In „3- Zi-Whg. für einen Künstler mit 43 Jahren“ verwandelt der Titel nicht nur den realen Raum in einen imaginären, sondern er macht überhaupt erst auf die Arbeit aufmerksam. Dies ist erforderlich, denn in einer Art von Mimikry paßt sie sich…

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