Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Sigrid Feeser · S. 350
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 2008

Sigrid Feeser

Turner Hugo Moreau

»Entdeckung der Abstraktion«

Schirn Kunsthalle Frankfurt, 6.10.2007 – 6.1.2008

Victor Hugo, manischer Zeichner. Kleckst und kleckert, berauscht sich am Zufall und am Tintenfleck, der zur Landschaft wird. Zieht mit 3500 zu Lebzeiten nie ausgestellten Blättern eine dunkle Spur bis in die Gegenwart. Baudelaire bewundert die apokalyptischen Visionen des Autodidakten. Und Théophile Gautier ist sich ganz sicher: „Wäre Victor Hugo kein Dichter, dann wäre er ein Maler ersten Ranges…Ihm gelingt es, in den dunklen und wilden Schöpfungen seiner Phantasie die Helldunkel-Effekte Goyas und die architektonischen Schreckensbilder eines Piranesi einfließen zu lassen“. Die Zeichnung als Geistererscheinung und Kind einer Lebenskrise. Ab den 1850er Jahre entsteht, was Henri Focillon „ein Werk jenseits von Malerei und Zeichnung“ nennt. Es kulminiert in den Visionen des exilierten Republikaners, der achtzehn Jahre auf den Kanalinseln Jersey und Guernsey festsitzt. Da wird die Welt dem Literaten zur Wüste ewiger Sonnenfinsternis. Dunkel, wild, grotesk, genial: So macht man Legenden. Mit seiner Leidenschaft für Wolken, Wasseroberflächen und Spiegelungen eröffnet Hugo der europäischen Landschaftsmalerei neue und unerhörte Horizonte, die in periodischen Abständen immer wieder neu entdeckt werden müssen.

Für die Surrealisten, die sich in nächtelangen Hugo-Rezitationen ergehen, ließ sich das alles wunderbar mit dem Postulat des psychischen Automatismus verknüpfen. Mit den Europaflüchtlingen Masson, Mirò und Matta gelangten Hugos aleatorische Techniken nach Amerika, mit nicht abzuschätzender Wirkung auf Künstler wie Jackson Pollock. Und im Europa der fünfziger und sechziger Jahre Europa mussten sie den Subjektivismus der informellen Malerei legitimieren.

Aber reicht das aus, um aus einem experimentierfreudigen Großschriftsteller einen Vorläufer…

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