Ausstellungen: Kassel · von Dirk Schwarze · S. 356
Ausstellungen: Kassel , 1998

Dirk Schwarze

Von der Kraft der Frauen

„Echolot oder 9 Fragen an die Peripherie“

Museum Fridericianum, Kassel, 22.3. – 7.6.1998

Wir haben uns unser Bild gemacht. Seit Jahrzehnten und Jahrhunderten leben wir mit unseren Vorstellungen und Urteilen. Unser Blick ist abendländisch und eurozentriert; wenn es hoch kommt, denken wir westlich, das heißt beziehen wir die Amerikaner mit ein. Alle anderen bleiben dabei außen vor. Vereinfacht gesagt: Über die können wir reden, mit denen aber nicht.

Aber auf einmal schlagen die Vorurteile auf uns zurück, die wir uns von den anderen gemacht haben. Da ist etwa ein im 16. Jahrhundert von einem unbekannten deutschen Künstler gemaltes Aquarell. Das zeigt die Türken als Barbaren: Ottomanische Händler begutachten auf handfeste Weise auf dem Sklavenmarkt Europäerinnen: Eine 400 Jahre alte Illustration über das Leben in Istanbul. Wir haben solche Vorstellungen verdrängt, doch die türkische Künstlerin Gülsün Karamustafa (Jahrgang 1946) bringt sie uns ungefragt zurück. Sie hat das Bild, dessen Original sich in einem Buch befindet, das der Murhardschen Bibliothek in Kassel gehört, zu einem wandgroßen Plakat vergrößert und in die Ausstellung „Echolot“ im Kasseler Museum Fridericianum eingebracht. Da sehen wir uns unkommentiert der europäischen Vergangenheit gegenüber und können mühelos die Vorurteile jener Zeiten gegen die heutigen eintauschen.

Angesichts dieser Arbeit stellt sich die oft formulierte Frage gar nicht mehr, ob eigentlich die Künstlerinnen und Künstler aus Arabien, Asien, Afrika und Lateinamerika eine Sprache sprechen, die wir auch verstehen können. René Block, geschult durch seine Arbeit für Künstleraustauschprogramme und die Organisation der Biennalen von Sydney und Istanbul, ging wohlüberlegt an die…

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