Gespräche mit Künstlern · von Jens Rönnau · S. 310
Gespräche mit Künstlern , 1998

GUSTAV KLUGE:

„In dem Moment, wo die Themen symbolisiert von mir getrennt sind, habe ich dazu keinen bevorzugten Zugang mehr“

EIN GESPRÄCH VON JENS RÖNNAU

Die Bildthemen des Hamburger Malers und Grafikers Gustav Kluge sind überwiegend dem menschlichen Leid, Notsituationen und sozialen Konflikten gewidmet. Auch in seinen monumentalen Holzschnittfolgen aus den 80er Jahren fiel solche Thematik auf. Sie wurden zuerst 1984 unter dem Titel „Drucke zur Gegenchronik“ in Hamburg gezeigt. Ein Schwerpunkt war das ungerechte Schicksal von Kindern wie dem „Kind in der Erdspalte“, Kindern in Fallen und Käfigen sowie zwischenmenschliche Unterdrückungssituationen. Die Geschichten dazu beruhten teils auf wahren Begebenheiten, teils waren sie Fiktion oder beides.

In seinen letzten Ausstellungen zeigte Kluge in der Hamburger Kunsthalle (8.8. – 5.10.1997) einen Gemäldezyklus mit dem Titel „Verbotene Orte“, drei Holzdrucke „Standbilden Erschütterungsdruck“‚ einige Tondi‘ einen Zyklus unter dem Titel „Vielfigurige Bilder“ und eine Reihe von Einzelstücken wie „Knotenschrift“ oder „Diese Steine werden schreien“ – insgesamt 38 meist sehr großformatige Bilder. Dieselbe Schau ging danach etwas reduziert in die Staatsgalerie moderner Kunst nach München (15.10. – 23.11.1997). Zeitgleich mit der Hamburger Ausstellung wurden in der Kunsthalle zu Kiel unter dem Titel „Wasserfarben“ erstmals Aquarelle und Kopierstiftzeichnungen sowie fünf Gipsskulpturen von Kluge gezeigt (9.8. – 21.9.1997, vom 25.1. – 8.3.1998 auch im Badischen Kunstverein Karlsruhe). Überraschend waren bei vielen der über einhundert Aquarelle zunächst die ungewöhnlich großen Formate von mehr als einem Meter Höhe oder Breite. Man kennt die gleichen Motive oder Themen meist auch als Gemäldefassung. Obgleich die Blätter mit Wasserfarben leichter und transparenter wirken als die…

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