Gespräche mit Künstlern · von Doris von Drathen · S. 296
Gespräche mit Künstlern , 1998

GIUSEPPE PENONE:

„Die Idee einer automatischen, unwillkürlichen Skulptur“

Ein Gespräch von Doris von Drathen

Er hat nichts dagegen, in die Kategorie der Arte Povera eingeordnet zu werden. Aber er gibt gleichzeitig zu verstehen, das sei dann eigentlich ein anderes Thema. Die Arbeit von Giuseppe Penone, der 1947 in Garessio / Cuneo geboren ist, von der Generation her also zu den 68ern gehört, aber nicht von der sozialen Schicht (- für ihn, der damals längst in Landwirtschaft arbeitete, sei ’68 eine Revolution der „ragazzi ricchi“ gewesen -), hat gewiß mit den Materialien der Arte Povera zu tun, vielleicht auch mit Arbeitsformen der Land Art, wie behauptet wird, denn er arbeitet viel in der sogenannten „Natur“. Gleichzeitig aber ist sein Werk weder mit der einen noch mit der anderen Kategorie in irgendeiner Weise erfaßt. Denn selbstverständlich liegt sein Denken außerhalb solcher vom Markt geschaffener Begriffe. Gewiß hat er mit Bäumen, Flüssen, Steinen, Kartoffeln gearbeitet, aber nicht, um damit Elemente der Natur in die Kunst hineinzutragen, sondern auf der Suche nach kleinen Ereignissen des Alltags, nach Zeichnungen und Skulpturen, die automatisch entstehen, außerhalb der Kultur, so wie Fingerabdrücke oder auch das Volumen der ausgeatmeten Luft. Giuseppe Penone erfindet nichts, er sammelt, er beobachtet, zieht seine Schlüsse und macht sichtbar. Dabei taucht immer wieder die Form der konzentrischen Kreise auf, die nicht nur den Baum und seine Ringe prägen, sondern eine Vielzahl von Wachstum, Entwicklung oder von Schwingungen. Sein Werk selbst scheint sich nach diesem Modul auszubreiten.

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D. v. D.: In Ihren frühen Arbeiten, wie etwa „Er wird…

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