Magazin: Publikationen · von Stefan Römer · S. 495
Magazin: Publikationen , 1998

Was verspricht die Kunst?

Es hat viele Versuche gegeben, und jede sich historisch-kulturell von ihren Vorläufern absetzende Epoche vollzieht das selbe Ritual: Die Neu- und Umformulierung sowie Umstrukturierung ihrer epistemologischen Basis. In diesem Sinne holt Stefan Heidenreich in seinem Buch „Was verspricht die Kunst?“ zu einer doppelten Denkbewegung aus: Die Institution der Kunst ihrer selbstbezüglichen und darin durch und durch selbstbestätigenden Struktur zu überführen und außerdem die in dieser Figur implizierte technische und soziale Wirkungsbeschränkung zu lokalisieren.

Heidenreich verfolgt an der Abspaltung der Kunst von den rhetorischen und später den mathematischen Künsten der Renaissance über die Gefahr, die von der Fotografie für die Malerei ausging, über Duchamps Strategien bis zur Kritik der Institution in den 90er Jahren die Selbstbezüglichkeit der künstlerischen Versuche, die immer auf der Dreierkonstruktion Originalität, Autorschaft und Verweigerung struktureller Veränderungen der Institution bestehen. Heidenreich verfällt dabei jedoch interessanterweise weder einer polemischen, noch einer rein kritischen Geste der Avantgarde oder des Kulturpessimismus, wie die feuilletonistische Rede es gegenwärtig in den Begriffen der Kulturindustrie oder des Spektakels pflegt, nur um die eigene Funktion in diesen Kategorien völlig zu ignorieren. Heidenreich bedient sich statt dessen einer nüchtern chronologischen Erzählung, die die Anekdoten der Kunstgeschichte an weniger bekannten, oftmals aber wichtigeren Ereignissen mißt. Doch dieses Erzählerische liefert sich bewußt einer teleologischen Reflexion der institutionellen Selbstreferenz der Institution Kunst aus und fügt sich nicht der akademischen Konvention der Transparenz. In diesem Sinne wurde auch auf eine Gliederung der vier Hauptkapitel – Renaissance, Fotografie, Duchamp und Gegenwart – sowie auf Anmerkungen der zum Teil relativ…

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