Titel: Manifesta 12 , 2018

I. City on Stage

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Teatro Garibaldi

Als ob die politischen Eroberungen von den Römern über die Araber bis zu den Habsburgern, die verhängnisvolle Flut 1931, die Bombenangriffe der Alliierten während des 2. Weltkrieges, die Erdbeben 1930 und 1968 nicht ausgereicht hätten, wurde Palermo ab den 1970er Jahren auch noch zum Haupt‑ umschlagplatz des fest in Mafiahand befindlichen Heroinhandels. Bis in die 1990er Jahren hatte die Mafia in der Altstadt ganze Straßenzüge abgeriegelt, Mauern versperrten den Zugang. Erst am Ende des 20. Jahrhunderts konnte die Regierung mit Panzern und Hubschraubern diese Stadt in der Stadt stürmen und die Macht der Mafia brechen. Noch bis vor kurzem war Kalsa, wie das im 9. Jahrhundert von den Arabern gebaute Altstadtviertel heißt, von der langen Geschichte all dieser Zerstörungen geprägt, verfallene Häuser und Paläste bestimmten das Bild. Seit einigen Jahren werden die Gebäude von der Stadtregierung renoviert, darunter auch das 150 Jahre alte TEATRO GARIBALDI. Obwohl das Teatro Garibaldi immer wieder bespielt wurde, folgten regelmäßig Phasen des Verfalls. Zwischenzeitlich fanden hier Boxkämpfe statt, 1970 wurde es komplett geschlossen, 1983 von der Stadt Palermo gekauft und wieder aktiv als Theater bespielt, 2007 sogar renoviert, um dann wieder leer zu stehen. Jetzt ist es das Hauptquartier, logistische Zentrum und Treffpunkt der Manifesta 12, hier können die Tickets und Kataloge gekauft, Touren gebucht, Kaffee getrunken und Lesungen besucht werden. Für eine Woche gastierte hier die Redaktion der panafrikanischen Zeitung Chimurenga, um eine Sonderausgabe von The Chronic über Grenzfreiheit zu erstellen. Giorgio…

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von Sabine B. Vogel

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