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Titel: documenta fifteen - documenta fifteen: Rundgang · von Sabine B. Vogel · S. 272 - 275
Titel: documenta fifteen - documenta fifteen: Rundgang ,

29 St. Kunigundis

Atis Rezistans | Ghetto Biennale

Die römisch-katholische Kirche wurde 1927 als erstes in Spannbetonbauweise entworfene Gotteshaus fertiggestellt, wodurch kaum Kriegsschäden entstanden. Später von der Diözese wegen Baumängeln aufgegeben und profaniert, treffen hier jetzt haitianische Kunstwerke und christliche Darstellungen spannungsgeladen aufeinander. Mehr als 30 Künstler*innen reisten mit der Gruppe Atis Rezistans Ghetto Biennale an, viele Werke entstanden vor Ort. Atis Rezistans (dt. Künstler*innen des Widerstands) stammt aus Haiti, wo sie 2009 die 1. Ghetto Biennale veranstalteten. Neben der Kirche ist im Kirchengarten ein Zelt aufgebaut, wo kleinformatige Bilder für je 100 Euro verkauft werden. Auf einem Gerüst im Garten werden Fotografien der Ghetto Biennale gezeigt.

In der Kirche hängt die schwebende Deckenstruktur „The Floating Ghetto“, die Straßenzüge von Port au Prince nachbildet. Im Hauptraum stehen André Eugènes surreale Skulpturen aus Metallresten mit Riesenpenis, Holzmasken und Hörner, im Altarbereich erschrecken brutale Figuren der Madonna mit Totenköpfen. Auf die Frage, ob die Skulpturen im Zusammenhang mit Voodoo stehen, lachte der Künstler nur – selbsterklärend oder abwegig, das bleibt ungeklärt. Die Risse in den aufgemalten Auf-erstehungs-Szenen auf der Stirnwand der Apsis sind mit Klebebändern überarbeitet, was den Heiligenfiguren eine unerwartete Lebendigkeit verleiht. Andere Figuren und Szenen sind in fantasievollen und unerwarteten Arrangements nachfotografiert.

Die künstlerischen Reaktionen auf den einst sakralen Raum sind humorvoll bis brutal. Im Eingang stehen poetisch-abstrakte Werke aus in Kassel gefundenen Materialien von Michel Lafleur und Harold Pierre Louis. Auf der Empore hat Henrike Naumann ihr „Museum of Trance“ aufgebaut: Statt der Orgel steht dort ein Orgel-ähnlicher Wandschrank mit…

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