Magazin: Museen & Institutionen · von Jutta Schenk-Sorge · S. 436
Magazin: Museen & Institutionen , 1999

Jutta Schenk-Sorge

Afrika, Kunst und Kultur

Überfällige Neuorientierung am Völkerkundemuseum Berlin

Picasso, nicht dafür bekannt, die eigene Leistung gering zu schätzen, war nach seiner ersten „schockierenden“ Begegnung mit der afrikanischen Kunst um 1905 lebenslang der Überzeugung: „Die Skulptur der Primitiven wurde nie übertroffen“. Dass er und die Kunst der Moderne entscheidende Anstöße durch die plastischen Werke Schwarzafrikas erhielten, ist bekannt. Bis heute überwiegt jedoch eine zwiespältige Haltung gegenüber diesen Objekten. Zum einen werden sie in ihrer Beziehung zur westlichen Kunst gesehen, als Katalysator für innovative Hochleistungen der Avantgarde und damit eher in einer dienenden Rolle. Zum anderen gelten die Masken und Figuren als ethnografische Zeugnisse der Stammeskulturen. Trotz ihrer großartigen, von den Künstlern der frühen Moderne so geschätzten Qualitäten, ist ihr Status als Kunstwerke keineswegs unumstritten. In Berlin hat es jedenfalls bis jetzt gedauert, die Perspektive zu wechseln. Das Völkerkundemuseum in Dahlem, das mit 70.000 Objekten eines der bedeutendsten der Welt ist, verdankt diesen Rang nicht zuletzt den Beständen aus Afrika. Berlin besitzt die einzige Sammlung von Ife-Terrakotten außerhalb Nigerias, großartige Köpfe aus dem 12.-15. Jahrhundert. Ebenso verwahrt es eine weltweit einzigartige Sammlung von Werken der Hochkultur von Benin, heute ebenfalls Nigeria. Als die Benin-Bronzen Ende des vergangenen Jahrhunderts erstmals in Europa auftauchten, mutmaßte man gar, sie stammten aus dem sagenhaften Atlantis, da man den „Wilden“ diese technische und künstlerische Hochleistung unmöglich zutrauen konnte. All diese erlesenen Stücke der Kulturen Afrikas wurden bisher im Rahmen der völkerkundlichen Präsentation gezeigt. Das ist etwa so, als stellte man Dürers berühmtes „Selbstporträt“ zwischen der bunten Vielfalt…

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