Ausstellungen: Paris · von Doris von Drathen · S. 343
Ausstellungen: Paris , 1992

Doris von Drathen

Alberto Giacometti

Musée d`Art Moderne de la Ville de Paris, 30.11.1991 – 15.3.1992

Interpretation und Installation finden ihren Ausdruck durch die räumliche Materie“1 – das klingt selbstverständlich; welche ungewohnten Sichtweisen aber diese Verbindung von Räumlichkeit, Interpretation und Installation eröffnen kann, zeigt sich in manchen Aspekten an der Giacometti-Ausstellung, die in Paris gerade zu einer der erfolgreichsten Veranstaltungen der Gegenwartskunst erklärt wurde.

Zum ersten Mal wurde ein Künstler beauftragt, die Präsentation eines „Kollegen“ aus der klassischen Avantgarde einzurichten. Der Schweizer Konzeptkünstler Rémy Zaugg nahm den Auftrag an und erklärt auf zahlreichen Seiten Katalogtext, wie wichtig es ihm sei, als „aus-stellender“ Autor nicht sichtbar zu sein. Das gelingt ihm auch. Aber ihm gelingt einiges mehr, das er, obwohl gewohnt, Visuelles zu benennen, nicht benennt.

Ohne es zu wissen oder möglicherweise ohne es sagen zu wollen – beides ist gleichermaßen verdienstvoll -, geht er gekonnt mit jener „räumlichen Materie“ um, nennt sie aber Leere und spricht davon, daß er den einzelnen Skulpturen ihre Einsamkeit in einem absoluten Raum lassen will. Seit seinen gemalten Schriftenleinwänden, die eine Vorstellung wie „Das unmögliche Bildnis der Leere vielleicht“ oder gar das „Nichts“ selbst evozieren wollten, ist bekannt, daß ihn die Leere lange interessiert hat. Und sein geheimnisvoller „Traum vom Nichts als einem Ort des Möglichen inmitten des Chaos der Dinge“ hat manch einem Kopfzerbrechen gemacht. Möglicherweise ist aber etwas daran, wenn er vom Nichts als „Ausgangspunkt“, als „Resultat einer Suche“ gesprochen hat. Jedenfalls ist diese Haltung eine ideale Voraussetzung, um mit dem umzugehen, was für Giacometti Leere bedeutet, nämlich…

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