Titel: Kunst der Fiktion der Kunst · von Bojana Pejic · S. 94
Titel: Kunst der Fiktion der Kunst , 2010

Bojana Pejic

Am Anfang war das Protonym

Adib Fricke steht im Wort

Am Anfang war das Wort, seither gibt es Zitate.
— Thomas McEvilley, 1984

Adib Fricke begann den Aufbau seines Gesamtwortwerkes im vollen Bewußtsein dessen, daß er, wenn er sich als (bildender) Künstler auf das Wording einließ, auf einem riskanten, und deshalb aufregenden, Grenzgebiet zwischen Leben und Kunst tätig wurde: zwischen dem Reich des Symbolischen, dem Ort, wo wir in der Sprache sind, und der Kunst, einem wesentlich von Bildern bevölkerten und von der Ordnung des Optischen regierten Gebiet. Im Alltagsleben teilen wir die Sprache als wichtigstes Werkzeug für den Austausch des wertvollsten Gutes unserer Kultur, von Wörtern, die Information tragen. Im Leben benutzen wir Sprache in der Hoffnung, uns auf dem schlüpfrigen Boden, den wir Kommunikation nennen, zu begegnen. Nolens volens teilen und erneuern wir deshalb unaufhörlich einen Gesellschaftsvertrag, der von Ihrer Majestät der Bedeutung reguliert und zensiert wird.

Seit 1986, als er offiziell zum Künstler wurde (als Datum der Zulassung gilt im Kunstsystem das Datum der ersten Ausstellung), hat Adib Fricke hauptsächlich sprachbasierte Arbeiten geschaffen. Man kann ohne weiteres sagen, daß Adib Fricke ebenso wie jene seiner Kollegen, die keinen ‘Hunger nach Bildern’ verspüren, sondern eher einen Willen zum Wording haben, den Wörtern die Treue hält. Ist die Sprache im Fall dieser Künstler als Medium oder als Material anzusehen (wie die Farbe in der Malerei, die Zeitungsausschnitte in einer Collage, oder der Körper des Künstlers in einer Performance)? Richard Wollheim schlägt, allerdings in einer Diskussion der Objektkunst und Malerei, folgende Lösung des Dilemmas…

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