Titel: Kunst der Fiktion der Kunst · von Annette Tietenberg · S. 88
Titel: Kunst der Fiktion der Kunst , 2010

Annette Tietenberg

Susi Pop

Im unscharfen Bereich des Crossover, in der Echokammer von Musik, Design und Kunst, ist viel von Remix, Sampling und Coverversionen die Rede. SUSI POP bevorzugt einen Begriff, der antiquierter, dafür aber wesentlich charmanter klingt: das Medley. Abgeleitet vom lateinischen misculare, miscere, was soviel heißt wie vermischen, mischen, kündigt das Medley eine Zusammenstellung bekannter Melodien an. Eine solche Mixtur orientiert sich nicht an Chronologien, Stilfragen oder Werkzusammenhängen. Erlaubt ist vielmehr, was gefällt. Ebenso unbeschwert wie die Arrangeure solcher Medleys scheint SUSI POP mit den sogenannten Meisterwerken der Kunstgeschichte umzugehen: Aus der Fülle der Bilder, die in Museen ausgestellt werden und in Form von Abbildungen in Katalogen, Zeitschriften oder Datennetzen zirkulieren, greift SUSI POP Ikonen von anerkannten Geistesgrößen wie Gerhard Richter, Lucian Freud, Jackson Pollock oder Pablo Picasso heraus, um diese im Größenverhältnis 1 : 1 zu reproduzieren. Ihre Kunst lässt sich daher durchaus als zeitgenössische Variante der in den siebziger und achtziger Jahren praktizierten Appropriation Art verstehen. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich SUSI POPs Reflexionen des Originals trotz der Unterschiedlichkeit der Motive zu einem stringenten und mühelos erkennbaren Werk zusammenfügen. Dies liegt nicht zuletzt an ihrem Markenzeichen, der pinkfarbenen Maske, die sie den berühmten Vorbildern gerne überstreift. Denn auch wenn ihr Vorname mädchenhaft klingen mag, so schwelgt SUSI POP doch keineswegs in sanften Pastelltönen; sie bevorzugt einen aggressiveren Farbton, noch dazu einen, der für die Vervielfältigung von Bildern unerlässlich ist: Magenta. Ihre plakative Wirkung verdanken die reproduzierten Gemälde nicht nur dieser in Reinform verwendeten, grellen Druckfarbe, sondern auch dem…

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