Titel: Kunst der Fiktion der Kunst · von Sabine Kampmann · S. 172
Titel: Kunst der Fiktion der Kunst , 2010

Sabine Kampmann

Annette Hollywood

Kunst über das Künstler-Sein ist eine komplexe Angelegenheit und das Schreiben darüber nicht minder verzwickt. Denn jedes Lob der Reflexivität einer Künstlerin, jedes Benennen der ironischen Strategien, mit denen sie die Rollenspiele der Akteure im Kunstbetrieb vorführt und jede Identifikation eines vermeintlich verschwundenen Autors bewirkt letztlich immer auch eines: die Stabilisierung eben dieser Autorschaft. Und dennoch: annette hollywood untersucht die Prozesse der Produktion künstlerischer Identität. Sie durchleuchtet Künstlerklischees und -stereotype und befragt dabei Massenmedien und Populärkultur ebenso wie die Kunstgeschichte und den Starkult. Es bleibt nichts anderes, als sich mit dieser Ambivalenz zu arrangieren. Mit der Dekonstruktion eines Künstlermythos geht die Konstituierung eines anderen einher und dieser Text arbeitet daran, annette hollywood an gerade jenen Ort zu befördern, über den sie selbst immer wieder arbeitet, den Künstlerolymp.

Mit den berühmtesten Olympiern wie Rembrandt, Warhol oder van Gogh ist hollywood bereits bestens vertraut. In ihrer Video-Trilogie Multiple Artist (2002) schneidet sie Filmszenen aus unterschiedlichen Künstler-Biopics zusammen, so dass die Darsteller einen absurden Dialog miteinander führen. Wer sich schon einmal dabei erwischt hat, wie er vor einem van Gogh-Porträt gestanden und nach dem Kinn-Grübchen von Kirk Douglas gesucht hat, wird den Humor schätzen, mit dem die Künstlerin ihre hollywood art history schreibt. Es ist eine Kunstgeschichte, die an und mit populären Künstlerbildern arbeitet und den Künstler als Genie und exemplarischen Außenseiter der Gesellschaft liebevoll ironisch beleuchtet. In dem Video Artists in Love (2002) nimmt hollywood mit Artemisia Gentileschi, Frida Kahlo und Camille Claudel die weibliche Variante der Über-Künstler in den Blick….

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